In Vorbereitung auf das Rennen auf dem „Autodromo Enzo e Dino Ferrari“
in Imola absolvierte der französische Reifenhersteller in den vergangenen
beiden Wochen umfangreiche Testfahrten in Barcelona und Le Castellet. Die
Michelin-Partner Renault, Toyota, McLaren-Mercedes, BMW WilliamsF1, Red Bull
Racing und Sauber zeigten sich dabei mit den Ergebnissen durchweg zufrieden.
Silbernes Jubiläum für den Großen Preis von San Marino: Am
kommenden Wochenende richtet die kleine, im Norden Italiens gelegene Republik
zum 25. Mal einen Großen Preis der Formel 1 aus. In Ermangelung einer
eigenen Rennstrecke findet das Rennen seit seinem Debüt 1981 stets im
rund 80 Kilometer entfernten Imola statt. In seiner verhältnismäßig
kurzen Geschichte diente das „Autodromo Enzo e Dino Ferrari“ als
Bühne einer der schwärzesten Momente in der Formel 1-Historie: Im
Mai des Jahres 1994 verstarben innerhalb eines Wochenendes die beiden Piloten
Roland Ratzenberger und Ayrton Senna. Aus Gründen der Sicherheit erfuhr
die Strecke daraufhin umfangreiche Umbauarbeiten im Bereich der Tamburello-Kurve.
Die italienischen Tifosi sorgen alljährlich für ein ausverkauftes
Haus in Imola und kreieren traditionell eine einzigartige Atmosphäre:
Besonders die einheimischen Teams und Fahrer dürfen sich der bedingungslosen
Verehrung der Fans gewiss sein. „Ihr Enthusiasmus ist einfach mitreißend“,
zeigt sich beispielsweise Lokalmatador und Toyota-Pilot Jarno Trulli Jahr
für Jahr aufs Neue begeistert. Weniger Hochgefühle kommen bei den
Aktiven auf, wenn sie an die Charakteristik der 4,933 Kilometer langen Strecke
denken: Zahlreiche Bergauf-Passagen und kurze Geraden im ständigen Wechsel
mit unharmonischen Schikanen, an deren Ausgang viel Traktion für das
Herausbeschleunigen benötigt wird, stellen eine hohe Belastung für
Motoren und Bremsen dar. Gleichzeitig bietet dieses Layout den Piloten nur
sehr bedingt Gelegenheit, ihr fahrerisches Können unter Beweis zu stellen.
Eine Besonderheit stellen die Randsteine in Imola dar: Nur wer sein Auto derart
abstimmt, dass das aggressive Überfahren der hohen Kerbs problemlos gelingt,
wird beim Grand Prix von San Marino wirklich schnell sein.

Der Große Preis von San Marino aus der Sicht von Michelin
Zu den traditionellen Stärken der Michelin-Pneus zählt das Federungs-
und Dämpfungsverhalten. Damit tragen sie zu einem großen Teil dazu
bei, den Formel 1-Monoposti beim Überfahren der Kerbs mit hoher Geschwindigkeit
die notwendige Stabilität zu verleihen. Diesem Punkt widmeten die Michelin-Partner
während der Testfahrten in den vergangenen beiden Wochen besondere Aufmerksamkeit
- mit Erfolg. „Beim Reifenprogramm erzielten wir sehr viel versprechende
Ergebnisse“, bestätigte beispielsweise Christian Silk, Leiter der
Testabteilung von Renault F1. Das schließt auch das Abriebverhalten
der Pneus mit ein. Zwar setzt der Asphalt des „Autodromo Enzo e Dino
Ferrari“ den Reifen nicht allzu sehr zu, dafür fordert das Einbeziehen
der Randsteine in die Ideallinie die Pneus überdurchschnittlich.
Zudem hält die Fahrbahn in Imola weitere Unannehmlichkeiten bereit:
Zwar präsentiert sich der Asphalt durchweg eben, weist aber nach zahlreichen
Ausbesserungsarbeiten unterschiedliche Qualitäten auf. Deswegen sind
zum Beispiel einige Schikanen rutschiger als andere Passagen. Dies sorgt nicht
nur bei feuchten Bedingungen für erschwerte Verhältnisse.

Im Vergleich zu den beiden vorangegangenen beiden Grands Prix in Malaysia
und in Bahrain liegen die für das kommende Wochenende zu erwartenden
Temperaturen deutlich geringer, also etwa auf dem Niveau des Saisonauftakts
in Melbourne. „Das erleichtert die Aufgabe natürlich zusätzlich“,
freut sich Michelin Motorsport-Direktor Pierre Dupasquier. „Auch wenn
bei den drei bisherigen Saisonläufen keinerlei Probleme mit der Leistungsfähigkeit
unserer Reifen auftraten. Dennoch haben wir in den vergangenen Wochen hart
gearbeitet, um unseren Vorteil zu wahren.“
Das erwarten die Michelin-Partner
Beim derzeitig Führerenden in beiden WM-Wertung, dem Renault F1-Team,
herrscht zu Recht gesunder Optimismus - drei Siege in drei Rennen lassen das
französisch-britische Team allerdings nicht überheblich werden.
„Wir ruhen uns nicht auf dem Erreichten aus, sondern suchen weiter nach
Verbesserungen“, lautet die Botschaft der Gelb-Blauen. Entsprechend
gelassen sehen Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella der ihnen zugeschriebenen
Favoritenrolle entgegen.
Nach dem bislang sehr erfolgreichen Verlauf der Saison für Toyota ist
das Team aus Köln auf den Geschmack gekommen: „Ich sehe überhaupt
keinen Grund, warum wir nicht über die gesamte Saison unser bisheriges
Niveau halten sollen“, erklärt Mike Gascoyne, Technischer Direktor
bei Toyota F1. „Auch wenn wir in den vergangenen Jahren in Imola nicht
sonderlich gut aussahen, mache ich mir vor dem kommenden Wochenende keinerlei
Sorgen. Jarno Trulli und Ralf Schumacher zeigen sich sehr zufrieden mit dem
Toyota TF105.“

Bei McLaren-Mercedes herrscht momentan Ungewissheit darüber, ob Juan
Pablo Montoya am kommenden Wochenende wieder ins Lenkrad greifen kann. Sollte
der Kolumbianer aufgrund seiner Schulterverletzung ein weiteres Rennen aussetzen
müssen, würde entweder Alexander Wurz oder erneut Pedro de la Rosa
gemeinsam mit Kimi Räikkönen auf Punktejagd für die „Silberpfeile“
gehen.
Mit besonders schönen Erinnerungen reist BMW WilliamsF1 nach Imola:
„2001 gewannen wir hier unseren ersten Grand Prix nach der Rückkehr
von BMW in die Formel 1“, erklärt Dr. Mario Theissen, BMW Motorsport
Direktor. „Seitdem kommen wir immer wieder gerne hierhin. Die Strecke
hat uns immer gelegen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Mark Webber
und Nick Heidfeld auch am kommenden Wochenende ein sehr gutes Ergebnis einfahren
können.“ Mit insgesamt sieben Erfolgen führt das Williams-Team
übrigens die Imola-Erfolgsstatistik an.
Bei Red Bull Racing feiert am kommenden Wochenende Vitantonio Liuzzi sein
Grand Prix-Debüt. Bereits vor der Saison hatte der österreichische
Rennstall verkündet, den Italiener im Wechsel mit Christian Klien an
der Seite von David Coulthard einzusetzen. „Unsere Testfahrten in Barcelona
in den vergangenen Woche brachten uns einige sehr wichtige Erkenntnisse“,
berichtet der Sportliche Direktor Christian Horner. „Wir sollten in
Imola gut in Form sein.“

Nach den zuletzt etwas glücklosen Auftritten hofft das Sauber-Team,
in Imola wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Während der Testfahrten
in Barcelona erprobten die Schweizer neue Aerodynamik- und Elektronik-Kompnenten,
die am kommenden Wochenende in den Rennwagen von Felipe Massa und Jacques
Villeneuve zum Einsatz kommen sollen. „Insgesamt verstehen wir unser
Auto jetzt besser“, erklärt Renningenieur Giampaolo Dall'Ara. „Das
bringt uns unseren Zielen ein weiteres Stück näher.“
Ein neues Aerodynamik-Paket testete auch BAR-Honda: Auf Anhieb stellte Jenson
Button damit einen neuen Streckenrekord in Barcelona auf. Entsprechend zuversichtlich
blicken der Brite und sein Teamkollege Takuma Sato dem kommenden Wochenende
und der Chance entgegen, endlich die ersten WM-Punkte der Saison einfahren
zu können. „Wir werden in Imola auf jeden Fall schneller sein als
bisher“, verkündet Button, der den Grand Prix von San Marino im
Vorjahr auf Rang zwei beendete.
Rückblick: So lief der Große Preis von San Marino 2004
Auch wenn der Sprung auf den obersten Podestplatz weiter auf sich warten ließ:
Michelin beendete den Großen Preis von San Marino im vergangenen Jahr
mit der ersten Qualifying-Bestzeit der Saison sowie Platz zwei für Jenson
Button und Juan Pablo Montoya auf Rang drei. Ferrari-Pilot Michael Schumacher
setzte seine Dominanz vor begeisterten Tifosi fort und feierte seinen vierten
Sieg in Folge. Einer der glücklichsten jungen Männer im Großraum
Norditalien hieß vor Jahresfrist aber Jenson Button: Der 24-jährige
BAR-Honda-Pilot feierte beim Grand Prix von San Marino mit Rang zwei das bis
dahin beste Ergebnis seiner Formel 1-Karriere. Zugleich durfte sich der Michelin-Partner
aus dem britischen Frome über einen weiteren Erfolg freuen: seine erste
Grand Prix-Pole Position.
Statistisches
Großer Preis von San Marino, Autodromo Enzo e Dino Ferrari, Imola,
4. Lauf zur FIA-Formel 1-Weltmeisterschaft 2005 (25. April 2004);
Renndistanz: 62 Runden à 4,933 km = 305,609 km.