Wenigere erfreulich waren die Resultaten seines Teamkollegen
Jacques Villeneuve, der bislang stets am hinteren Ende der Startaufstellung
zu finden war.
Der Ex-Formel 1-Weltmeister kommt mit dem Sauber Petronas C24 nicht zurecht
- dies ist offensichtlich. Der als Querdenker bekannte Rennfahrer kann mit den
Sauber-Technikern den C24 nicht optimal abstimmen. Massa fährt dem erfahrenen
Routinier weg. Höhepunkt der Ernüchterung für Villeneuve war,
dass der Kanadier die Testfahrten in Barcelona abbrechen musste. Massa setzte
die Tests in Spanien fort. Die Kommunikation zwischen Massa und den Ingenieuren
bei Sauber ist wesentlich fruchtbarer. Villeneuve fehlen allerdings die notwendigen
Kilometer mit dem C24 um sich mit dem Rennwagen anfreunden zu können. In
Imola sitzt Villeneuve wieder am Steuer des C24. Jedoch wie lange noch? Wird
Peter Sauber den Kanadier schon bald gegen einen anderen Fahrer austauschen
oder wirft Villeneuve das Handtuch? Dies ist natürlich eine Frage des Geldes:
Würde Sauber seinem Fahrer kündigen, kostet dies sehr viel Geld. Felipe
Massa bleibt von all den strategischen und politischen Schachzügen unberührt,
der Brasilianer beantwortet seine Klasse durch kräftiges Gas geben.
ar: Frage: Sie haben beim 200. Grand Prix von Sauber zwei WM-Punkte gewonnen.
War das ein spezielles Gefühl?
Felipe Massa: Auf jeden Fall, es war ein großartiges Gefühl, dem
Team in diesem speziellen Moment zwei WM-Punkte zu schenken. Ich bin stolz
darauf. Auch deshalb, weil diese zwei Zahler in einem guten Moment kamen,
nachdem uns der Saisonstart misslungen ist. Wir müssen jetzt diesen Schwung
in die nächsten Rennen mitnehmen.
ar: Sie hatten sich für die härtere der zwei Michelin-Reifenmischungen
entschieden, war das rückblickend die richtige Wahl?
Massa: Ja, ich denke es war die richtige Wahl. Als ich mich am Freitag entschied,
waren zwei Dinge ausschlaggebend: die hohe Konstanz über mehrere Runden
sowie die Wettervorhersage, die für den Rest des Wochenendes Temperaturen
jenseits der 40 Grad ankündigten. Ich wusste natürlich, dass mich
diese Reifenwahl rund drei bis fünf Zehntel im Qualifying kosten wurden,
aber ich konzentrierte mich ganz auf die Rennperformance.
ar: Wie ist das Rennen für Sie gelaufen?
Massa: Das ganze Rennen lief sehr gut, vom Start bis ins Ziel. In den ersten
Runden war ich zwar deutlich langsamer als die Piloten mit weichen Reifen,
doch nach zehn, zwölf Runden wurde meine Performance spürbar besser
und ich konnte mich laufend steigern. Meine schnellste Rennrunde spiegelt
die eigentliche Performance nicht wider, weil ich gegen Ende meiner Stints
mit
wenig Benzin an Bord jeweils hinter anderen Piloten fest hing. Zudem habe
ich wahrend des gesamten Rennens nicht den kleinsten Fehler gemacht, was in
Bahrain durchaus keine Selbstverständlichkeit ist, weil die Strecke abseits
der Ideallinie kaum Grip besitzt. Deshalb hatten zahlreiche Piloten heikle
Situationen zu bewältigen.
ar: In Bahrain war es noch heißer als in Malaysia. Wie groß waren
die physischen Anforderungen im Cockpit über die Dauer des gesamten Rennens?
Massa: Das mag überraschend klingen, aber Bahrain war physisch ein leichtes
Rennen. Ich fühlte mich nach dem Überqueren der Ziellinie überhaupt
nicht müde, und ich hatte auch nicht allzu stark geschwitzt. Obwohl die
Temperaturen hoher waren als in Malaysia, war das Rennen in Sepang deutlich
härter, einerseits wegen der viel höheren Luftfeuchtigkeit andererseits
wegen dem Streckenlayout, das physisch mehr abverlangt.
ar: Wie hat das neue Reifen-Reglement Ihre Arbeit als Fahrer verändert?
Sie dürfen ja jetzt ab Samstagmittag die Reifen nicht mehr wechseln.
Massa: Das ist eine echte Herausforderung, aber mir gefällt das. Erstens
ist es noch wichtiger, am Freitag die richtige Reifenwahl zu treffen, und
zweitens muss man die richtige Balance bei der Fahrweise finden: einerseits
aggressiv, um schnell zu sein, andererseits sanft im Umgang mit den Reifen.
Es ist wichtig, dass man es nicht übertreibt und die Reifen überfordert.
Eine wirkliche Herausforderung für den Fahrer, die mir gefällt.
ar: Wo sehen Sie das größte Verbesserungspotenzial für den
Sauber Petronas C24?
Massa: Das liegt sicherlich im Bereich der Aerodynamik. Wir haben in Bahrain
einen Schritt vorwärts gemacht und werden weitere neue Teile für
Imola am kommenden Wochenende haben. Aerodynamik ist definitiv der Bereich,
in dem wir besondere Anstrengungen unternehmen müssen, um uns weiter
zu steigern. Bereits sehr gut sind wir bezüglich Zuverlässigkeit.
Der C24 lief vom ersten Rennen absolut problemlos.
ar: Sie fahren seit 2002 in der Formel 1. Wie haben Sie sich in dieser Zeit
verändert?
Massa: Erfahrung ist so unglaublich wichtig in der Formel 1! Ich habe heute
ein viel besseres Verständnis fürs Auto, seine Abstimmung und die
ganzen technischen Aspekte. Ich kann den Ingenieuren heute ein viel detaillierteres
Feedback geben und habe auch das Selbstvertrauen, das Team zu fordern und
anzutreiben. Aber Erfahrung hilft auch, sich fahrerisch zu verbessern, indem
man genau weiß, wann es Sinn macht, voll anzugreifen, und wann es sich
lohnt, zuruckhaltend zu sein. Und ich habe mich ganz sicher auch im Bereich
der Konstanz über die gesamte Dauer eines Rennens gesteigert.
ar: Was erwarten Sie von den nächsten Rennen in Imola?
Massa: Mein Ziel ist es, regelmäßig um WM-Punkte zu kämpfen.
Wir haben neue Teile in Barcelona getestet, und ich gehe davon aus, dass wir
die Konkurrenzfähigkeit des Sauber Petronas C24 weiter verbessern können.
(ar/pha)
Das Interview wurd von den Kollegen von Autoreporter-Net geführt