Kaum hat die Formel 1 ihre Hospitality-Prunkpaläste
abgebaut, da wird das Autodrom von Monza schon wieder von den jungen Wilden
der International Formula Master belagert. Norbert Siedler, der seit seinem
tollen Comeback für ADM Motorsport zuletzt drei Rennwochenenden hintereinander
am Siegespodest platziert war (2 Siege, 1 x Platz 3), nützt die offiziellen
Testfahrten, um sich auf das Saisonfinale am 7. Oktober einzuschießen.
Nach einem Feuerunfall bei Kruse Motorsport hat der 24jährige seine Jetons
noch einmal neu sortiert und „verschoben“…
Zur Vorgeschichte: Norbert Siedler war als Le Mans Series Pilot, leihweise in
den brand neuen S.2000 Formel-Boliden von ADM Motorsport geklettert, um die
angekratzte Ehre seines ehemaligen Meisterteams zu retten. Herausgekommen sind
dabei 2 Siege in Porto und Anderstorp, sowie ein dritter Rang in Oschersleben.
Bevor er nun wieder fürs Europafinale der LMS in den Langstreckenbomber
von Kruse Motorsport klettern konnte, wurde dieser von einem Brand, dem auch
ein Lkw-Auflieger zum Opfer fiel, vollständig zerstört. Am Rande der
Testfahrten von Monza erzählt uns Norbert, welche Auswirkungen auf sein
restliches Saisonprogramm dieses Unglück nun haben wird.
Frage:
Du hast letzte Woche noch am Lausitzring getestet und dann auf Deiner
Heimfahrt von dem Feuerunfall erfahren. Was war Dein erster Gedanke?
N.S.: „Dass das Europafinale in Silverstone dadurch wohl ins Wasser gefallen
sein wird und, dass das Team hoffentlich halbwegs gut versichert ist. Unsere
Jungs haben das Feuer ja erst an einer Autobahntankstelle bemerkt, als hinten
aus dem Auflieger Rauch herausgekommen ist. Stell Dir nur vor, was da hätte
passieren können.“
Frage:
Das Team möchte Dich trotz des Unglücks unbedingt in Silverstone
dabei haben, weil man dort mit künftigen Partnern und Sponsoren verhandeln
will…
N.S.: „Ich werde das Team natürlich nicht im Stich lassen sondern
helfen, wo ich nur kann. Jetzt heißt es nämlich noch einmal Ärmel
hochkrempeln und fürs nächste Jahr eine Konstellation schaffen, aus
der wir noch stärker hervorgehen. Vielleicht können wir für 2008
ein Programm auf die Beine zu stellen, dass ich mit dem LMS-Programm und vor
allem mit den 24 Stunden von Le Mans kombinieren kann.“
Frage:
Kurioserweise ist Dein Rennkalender durch den völlig zerstörten
Pescarolo Judd V8 nicht einmal „dünner“ geworden…
N.S.: „Überhaupt nicht: Erstens fahre ich jetzt sicher die letzten
vier Rennen in der International Formula Master, was ja bis zuletzt noch offen
war. Und zweitens werde ich dann im November noch einmal für das japanische
Langstreckenteam mit dem KreePre Porsche an den Start gehen. Langweilig wird
mir jedenfalls ganz sicher nicht.“
Frage: Du warst letzte Woche am Donnerstag in Monza noch auf Kurzbesuch
in der Formel 1 und testest hier heute selbst Deinen Formel S.2000. Was steht
für Dich und ADM Motorsport am Programm?
N.S.: „Der Test ist extrem wichtig für uns, weil das Team hier
beim Shakedown im Frühjahr kaum zum fahren gekommen ist. Wir fangen also
eigentlich bei null an und probieren ein paar Einstellungen aus, die uns hoffentlich
weiterhelfen werden. Im Prinzip geht’s bei uns dabei um die gleichen
Kompromisse, wie in der Formel 1: Möglichst schnell sein auf den Geraden
und dann trotzdem nicht viel Zeit verlieren in den Schikanen und über
die Kerbs.“
Danke für das Gespräch!