Wenn er Interviews gibt, spüren seine Gesprächspartner schnell,
wie professionell Jens Klingmann mit 17 Jahren bereits ist. Sorgfältig
wägt er stets seine Antworten ab, trifft klare und genaue Aussagen, oft
mit hintergründigem Humor.
Der Leimener zeigt seine Reife aber nicht nur bei Interviews im Fahrerlager,
sondern vor allem im Cockpit seines Formel BMW mit der Nummer elf. Nach seinem
zweiten Jahr in der Formel BMW Deutschland wurde Klingmann am vergangenen
Sonntag neuer Gesamtsieger der Nachwuchsserie. „Es ist ein unfassbar
schönes Gefühl, sein Ziel am Ende einer so langen und harten Saison
erreicht zu haben“, erzählte Klingmann nach einer emotionalen Siegerehrung
am Hockenheimring.
In den 18 Läufen des Jahres fuhr Klingmann neun Siege ein – deutlich
mehr als jeder andere Pilot im Feld. Bei 699 erreichten Punkten trennen ihn
am Ende 77 Zähler von seinem schärfsten Konkurrenten und Teamgefährten,
dem Spanier Daniel Campos- Hull. „Nach meinem Ausscheiden beim zehnten
Lauf in Zandvoort wusste ich, dass ich mir keinen Fehler mehr erlauben darf“,
berichtet Klingmann.
Das Steuer übernahm der Abiturient früh. Bereits als knapp Zweijähriger
schnappte sich der kleine Jens erstmals das heimische Elektro-Kart und brachte
die Familie mit rasanten Fahrten in Aufruhr. Heute misst er 1,86 Meter und
strahlt Gelassenheit aus, wo immer er auftritt. Doch mit seiner Körpergröße
muss Klingmann ganz schön kämpfen, um sich in das enge Cockpit zu
zwängen, seine Füße haben kaum Raum.
Auf der Rennstrecke ist von all dem dann nichts zu merken – dort fährt
er befreit auf. „Ich hoffe aber, dass ich nicht mehr so viel wachse“,
sagt Klingmann. Im vergangenen Jahr hat er bereits den Rookie Cup in der Formel
BMW Deutschland gewonnen. Klingmann war in beiden Saisons Formel BMW Junior
und nahm so am umfangreichen Ausbildungs- und Coachingprogramm von BMW teil.
Sein Mentor und Teamchef Albert Hamper lobt Klingmann: „Er ist für
sein Alter schon sehr weit. Wir haben ihn aber nicht bevorzugt, sondern waren
unseren Fahrern gegenüber neutral und haben ihnen identische Autos hingestellt.
Wichtig war, als Team gute Ergebnisse zu erzielen. Ein erster und zweiter
Platz sind natürlich mehr als fein.“ Daniel Campos-Hull zeigte
sich als fairer Sportsmann und gratulierte Klingmann gleich nach dem entscheidenden
Lauf: „Jens hat die Saison über dominiert und bewiesen, dass er
ein Siegfahrer ist. Also ist sein Triumph auch verdient.“
Nun strebt Klingmann eine Karriere in den höchsten Klassen des Motorsports
an. Auf der Playstation hat er die meisten Kurse der Welt schon kennen gelernt.
„Mein Ziel bleibt weiterhin die Formel 1“, sagt Klingmann. Sechs
Fahrer der Königsklasse im Motorsport nahmen diesen Weg bereits über
die Formel BMW Deutschland, zuletzt Sebastian Vettel. „Die Grundlagen
dafür habe ich mir in den zwei Jahren hier angeeignet“, weiß
Klingmann und fügt hinzu: „Vielleicht werde ich ja die Nummer sieben.“