Auch der Reifenspezialist aus Clermont-Ferrand hatte allen Grund zum Jubeln:
Nach ersten Plätzen bei den letzten beiden Grand Prix der Saison 2004
stockten die Franzosen ihre Erfolgsbilanz auf sechs Siege am Stück auf.
Zugleich stellte ein wie entfesselt attackierender Michael Schumacher seine
Klasse nachdrücklich unter Beweis und arbeitete sich auf der Heimstrecke
der Scuderia Ferrari vom 13. Startplatz bis auf Rang zwei nach vorn. Alonso
ließ sich von dem pausenlos angreifenden Weltmeister allerdings nicht
beirren und hielt dem Druck des Deutschen in den letzten zwölf Rennen
des Großen Preis von San Marino routiniert stand. Auf Rang drei schaffte
erstmals in der laufenden Saison auch Michelin-Partner BAR-Honda mit Jenson
Button den Sprung aufs Podest.

Das Duell der Giganten wurde eine Beute des jungen Fernando Alonso: Der
Renault F1- und Michelin-Pilot ließ sich auch von einem wie entfesselt
fahrenden Michael Schumacher nicht ins Bockshorn jagen und verteidigte im
„Autodromo Enzo e Dino Ferrari“ seine Führung mit einer taktisch
ausgebufften Fahrweise bis ins Ziel. Der erst 23-jährige Spanier hatte
in der zehnten von 62 Runden die Führung von Kimi Räikkönen
übernommen, der nach einem furiosen Auftakt seinen McLaren-Mercedes mit
einem Schaden an der Kraftübertragung vorzeitig abstellen musste.
Den Kampf um die Pole Position bestritten zwei junge Michelin-Piloten
Dabei hatten die beiden Heißsporne bereits im Qualifying für Aufsehen
gesorgt: Lediglich drei Tausendstelsekunden trennten Räikkönen nach
dem ersten Qualifying am Samstag von seinem direkten Verfolger aus dem Renault-Lager.
Ein Vorsprung, den der wegen seiner Coolness auch „Iceman“ getaufte
Finne am Sonntag Morgen gleich um eine halbe Sekunde ausbaute. „Am Handling
meines Autos hat sich nichts verändert“, rätselte Alonso anschließend.
„Ich denke, dass sich der größere Rückstand auf unterschiedliche
Rennstrategien zurückführen lässt.“ Martin Whitmarsh,
Geschäftsführer von McLaren-Mercedes: „Ein einzigartige Vorstellung
von Kimi Räikkönen. Unsere Michelin-Pneus haben tadellos funktioniert.“

Titelverteidiger Michael Schumacher musste sich zu diesem Zeitpunkt um die
Pole Position keine Gedanken mehr machen: Der 36 Jahre alte Ferrari-Pilot
- dessen roter Bolide bereits in den freien Trainingssessions deutlich konkurrenzfähiger
wirkte als noch zuvor - hatte sich im zweiten Qualifying massiv verbremst,
war kurz in ein Kiesbett geraten und musste sich anschließend auf Startplatz
13 einreihen. Als bester Nicht-Michelin-Pilot schaffte damit nur sein Teamkollege
Rubens Barrichello den Sprung unter die schnellsten Zehn.
Für deutlich mehr Aufsehen sorgten da die beiden BAR-Honda-Piloten
Jenson Button (25) und Takuma Sato (28). Der junge Brite, der die vergangene
Saison immerhin als bester Nicht-Ferrari-Mann beschlossen hatte, stellte die
aufstrebende Formkurve seines Rennstalls eindeutig unter Beweis und legte
in der Kumulation beider Qualifying-Sessions das drittbeste Ergebnis vor.
Sato hatte am Sonntag Morgen als Fünftschnellster speziell im dritten
Streckensektor eine Traumzeit vorgelegt. Nur Wiliams-BMW-Pilot Mark Webber
(28) und Toyota-Speerspitze Jarno Trulli (30) konnten sich zwischen die beiden
BAR-Männer schieben, womit sie ein aus Michelin-Sicht erfreuliches Resultat
zementierten: Alle fünf Werkspartner des französischen Reifenspezialisten
schafften mit jeweils einem Auto den Sprung unter die ersten Fünf der
Startaufstellung. „Damit haben wir einmal mehr bewiesen, dass wir Rennpneus
produzieren können, die auch auf einer größeren Bandbreite
unterschiedlicher Formel 1-Boliden funktionieren. Zu guter Letzt kommen nur
zwei unterschiedliche Reifentypen von Michelin während des Rennens zum
Einsatz.“

Der Grand Prix lieferte die Spannung, die das Qualifying versprach
Nach dem Ausfall Raikkönens schien das Rennen bereits zur sicheren Beute
des unbedrängt an der Spitze führenden Alonso zu werden - bis zur
ersten Boxenstopp-Runde. Denn dort zeigte sich: Nicht nur Juan-Pablo-Montoya-Ersatzpilot
Alexander Wurz im zweiten McLaren-Mercedes war mit einem besonders voll getankten
Rennwagen in den Grand Prix gestartet, auch Michael Schumacher - der bis dahin
hinter seinem Bruder Ralf auf Position zwölf hing - konnte seinen ersten
Tankhalt besonders lang herauszögern. Mit überraschendem Ergebnis:
Als der Kerpener auf die Strecke zurückkehrte, lag er vor dem langen
Österreicher auf Rang drei und setzte unverzüglich zu einer furiosen
Aufholjagd auf den zweitplatzierten Jenson Button an. Kurz vor der zweiten
Boxenstopp-Runde ließ sich der britische BAR-Honda-Pilot überrumpeln
und fiel auf Rang drei zurück.

Fortan nahm der siebenfache Weltmeister Fernando Alonso ins Visier. Zwölf
Runden vor Schluss hatte der Ferrari-Pilot auf den Renault R25 aufgeschlossen.
Einen Weg vorbei fand er indes nicht: „Das war der härteste Positionskampf
meiner bisherigen Rennfahrer-Karriere“, freute sich das Nachwuchstalent
aus Oviedo über den Vorsprung von lediglich 0,2 Sekunden, den er über
die Ziellinie tragen konnte. „Aber mein Auto lief perfekt, und auch
meine Michelin-Pneus zeigten keine Schwäche. In den langsamen Kurven
musste ich immer wieder Geschwindigkeit herausnehmen, um beim Herausbeschleunigen
nicht überrascht zu werden - zugleich half mir diese Taktik, nicht noch
kurz vor dem Ziel auf zwei zur Überrundung anstehende Fahrer aufzuschließen.“
Michelin-Partner Fernando Alonso baut Führung in Fahrer-Wertung weiter
aus
Nach seinem dritten Grand Prix-Sieg in Folge reist Alonso nun als souveräner
Tabellenführer zu seinem Heimrennen in Barcelona: Mit 36 WM-Punkten besitzt
er einen bereits deutlichen Vorsprung von 18 Zählern auf seinen nächsten
Verfolger, Toyota- und Michelin-Pilot Jarno Trulli. Der japanische Werksrennstall
aus Köln konnte in Imola nicht an die Erfolgssträhne der ersten
drei Saisonrennen anschließen, sammelte aber mit Rang sieben und acht
für Trulli und Ralf Schumacher drei weitere Punkte - sofern der Deutsche
aufgrund einer Entscheidung der Sportkommissare wegen „gefährlichen
Fahrens in der Boxengasse“ nicht 25 Strafsekunden erhält und damit
aus den Punkterängen herausfällt.

Deutlich besser in Szene setzten sich die BAR-Honda-Piloten Jenson Button
auf Rang drei und Takuma Sato mit Platz fünf. „Mein Rennwagen hat
sich angefühlt wie ein komplett neues Auto“, strahlte der Brite
im Ziel. Ebenfalls Grund zur Freude hatte Alex Wurz: Bei seinem ersten Grand
Prix-Einsatz seit der Saison 2000 verfehlte der ehemalige BMX-Weltmeister
und heutiger Testpilot von McLaren-Mercedes den Sprung aufs Podest als Viertplatzierter
nur knapp. Und noch ein Pilot feierte ein überraschendes Comeback: Jacques
Villeneuve. Der Weltmeister von 1997 unterstrich nach einem bärenstarken
Start, bei dem er sich gleich um vier Positionen verbessern konnte, mit dem
sechsten Rang sein fahrerisches Vermögen. Ohne zählbaren Erfolg
mussten die beiden BMW-Williams-Piloten Nick Heidfeld (Rang neun) und Mark
Webber (Platz zehn) den Heimweg antreten - es sein denn, dem Protest von Toyota
gegen die Strafe für Ralf Schumacher wird nicht stattgegeben.