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    Triestingtal-Rallye: Rallyeteam Ing. Alfred Kramer/Jürgen Rausch (Mitsubishi Lancer Evo 6,5)
    Geschrieben am Tuesday, 22.April 2008 um 17:31:15 CEST
    Thema: Rallye-Sport
    Rallye-Sport
    • Alles Rausch, oder was?




    Wenn Alfred Kramer bei einer Rallye auftaucht, ist es selten langweilig. Aufgrund seiner Schnelligkeit wäre er durchaus in der Lage, so manchem wesentlich bekannterem Favoriten das Leben schwer zu machen, in seiner Handlung eingeschränkt ist er dabei lediglich durch seine seltenen Startmöglichkeiten. Aber wenn er dabei ist, genießen seine Fans es dafür umso mehr.

    In der jüngsten Zeit hat der schnelle Kärntner sich zudem an ein völlig neues, in Österreich bislang einzigartiges Experiment herangewagt: Rallyefahren mit einem ethanolbetriebenen Mitsubishi Lancer Evo 6,5, also mit reinem Bio-Alkohol als Treibstoff. Um zu zeigen, daß man auch Autofahren kann, wenn das Benzin aus den Tiefen der Erde irgendwann einmal ausgehen sollte. Zudem wollte das Rallyeteam Kramer mit einem Start bei der Triestingtal-Rallye die Möglichkeit nützen, eine der wenigen reinen Schotterrallyes in Österreich in Angriff zu nehmen. Verstärkung auf dem Bioethanol-Sektor gab es zusätzlich durch das schwedische SEAT-Team „Mulle“ Daniel Emstedt und Co Mikaels Stähl, das auf Betreiben des Rallyeteams Kramer ins Triestingtal gekommen war und für viel Freude und Action bei den Zusehern sorgte – genauso wie Alfred Kramer mit dem als „Spiritusbrenner“ ausgelegten Mitsubishi.

    Die Triestingtal-Rallye war bereits der zweite Einsatz in Österreich mit diesem Fahrzeug, und hier gab es deutlich mehr Störfälle als bei der Lico-Lavanttal-Rallye, die im Vergleich dazu äußerst gefällig verlaufen ist. Auf der ersten Prüfung kämpften die Alternativen noch Seite an Seite – Alfred Kramer 11. gesamt knapp vor Hannes Danzinger mit dem Erdgas-Golf. Daniel Emstedt mit dem SEAT Ibiza folgte wenige Plätze dahinter. Ein starker Beginn für jemanden, der die Triestingtal-Rallye noch nie davor gefahren ist, zumal die Besetzung einen neuen Rekordwert erreicht hatte. Doch dann begann für Alfred Kramer und Jürgen Rausch der große sportliche Absturz: Nicht der Copilot zeigte sich disziplinlos, sondern eher das Auto. Schon auf der ersten Prüfung zeigte sich der Mitsubishi äußerst träge in der Gasannahme, schlimmer als die Turbo-Verzögerung der frühen Jahre. Was das bedeutet, wenn man in einer Kurve driftet und darauf eingestellt ist, das Auto zwecks Stabilisierung auf Zug zu halten, kann man sich leicht vorstellen. Hier konnte sich Alfred Kramer noch mit Tricks helfen – auf der zweiten Prüfung aber nicht mehr. Die schlichte Diagnose: Motor aus. Und das Ganze noch dazu an einer unübersichtlichen Stelle. Immer wieder die nachkommenden Fahrer warnen, nebenbei ein wenig am Relais reparieren – eine halbe Stunde war da schnell vorbei.

    Es gelang gerade noch, die Rallye innerhalb der Toleranzzeit fortzusetzen, ergebnismäßig konnte man sie zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen. Im Service konnten die ärgsten Aussetzer beseitigt werden, von vollständiger „Ausnüchterung“ war aber noch lange keine Rede. Dennoch waren Alfred Kramer und Jürgen Rausch beim zweiten Durchlauf von Weißenbach bereits Neunt-Schnellste, ihr bis dahin bestes SP-Ergebnis.

    Weil das so schön war, wiederholten sie das gleich einige Male hintereinander, ehe sie auf dem Rundkurs Kleinfeld I mit einer siebenten Gesamt-Zeit eine neue persönliche Bestmarke schafften, mit einem kaum nennenswerten Rückstand auf die bekannten Größen Mario Saibel und Franz Wittmann Junior. Je länger die Rallye dauerte, umso besser wurden die Zeiten, was zwar nicht dem Ergebnis, dafür aber der Selbstbestätigung diente. Der zweite Umlauf des Rundkurses Kleinfeld, der auch ein spektakuläres Bergab-Überholmanöver durch eine Wiese beinhaltete, brachte sogar eine dritte Gesamt-Zeit hinter den schnellen italienischen Mitsubishi-Piloten Alessandro Taddei und Antonio Marchioro, inzwischen beide im Besitz eines Triestingtal-Gesamtsiegerpokals. Spätestens hier muß man sich fragen: Was wäre gewesen, wenn…

    Die absolute Krönung aber war die Abschluß-SP, der Rundkurs Coopers durch das Ortsgebiet von Weißenbach – ein willkommenes Kontrastprogramm zu den Schotterprüfungen durch die Berg- und Tal-Landschaft des Triestingtals. Die Motivation, hier Bestzeit zu holen, war geradezu übernatürlich, aber als der Motor in den engen Kurven und Ecken erneut kotzte, schien die Sache gegessen. An eine schnellste Gesamt-Zeit wollten Alfred Kramer und Jürgen Rausch beim besten Willen nicht mehr denken. Umso größer war die Überraschung und die Freude, als allen Übeln zum Trotz im Ziel die Eins aufleuchtete – stilvoller kann man nicht verlieren.

    Insoferne brachte die Teilnahme bei der Triestingtal-Rallye sehr ermutigende Erkenntnisse, trotz des letzten Platzes, der weder etwas mit der fahrerischen Leistung von Alfred Kramer noch mit den prinzipiellen technischen Möglichkeiten des Alkohol-betankten Mitsubishi Lancer Evo 6,5 zu tun hat. Daniel Emstedt, der es mit seinem Frontantrieb auf den Schotterstrecken naturgemäß ein wenig schwerer hatte, zeigte mit dem SEAT Ibiza ebenfalls einen sehr beherzten Fahrstil und war zeitweise sogar in der Lage, Hannes Danzinger mit dem VW Kitcar zu fordern. Ein wirkliches Glück hatte leider auch er nicht, er verlor ein Rad. Nächstes Jahr probiert er’s wieder.

    Alfred Kramer wiederum hat den Kater an der Motorelektronik seines Mitsubishi bereits erfolgreich auskuriert – ein Sieg beim Parallelrallycross im slowenischen Logatec steht als Beweis dafür. Damit darf man sich auch für die Jacques Lemans-Althofen-Kärnten-Rallye einiges erhoffen: Angestrebt wird nicht mehr und nicht weniger als der Gesamtsieg.

    Na denn: Wohl bekomm’s!

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