Wenn Alfred Kramer bei einer Rallye auftaucht, ist es selten langweilig.
Aufgrund seiner Schnelligkeit wäre er durchaus in der Lage, so manchem
wesentlich bekannterem Favoriten das Leben schwer zu machen, in seiner Handlung
eingeschränkt ist er dabei lediglich durch seine seltenen Startmöglichkeiten.
Aber wenn er dabei ist, genießen seine Fans es dafür umso mehr.

In der jüngsten Zeit hat der schnelle Kärntner sich zudem an ein
völlig neues, in Österreich bislang einzigartiges Experiment herangewagt:
Rallyefahren mit einem ethanolbetriebenen Mitsubishi Lancer Evo 6,5, also
mit reinem Bio-Alkohol als Treibstoff. Um zu zeigen, daß man auch Autofahren
kann, wenn das Benzin aus den Tiefen der Erde irgendwann einmal ausgehen sollte.
Zudem wollte das Rallyeteam Kramer mit einem Start bei der Triestingtal-Rallye
die Möglichkeit nützen, eine der wenigen reinen Schotterrallyes
in Österreich in Angriff zu nehmen. Verstärkung auf dem Bioethanol-Sektor
gab es zusätzlich durch das schwedische SEAT-Team „Mulle“
Daniel Emstedt und Co Mikaels Stähl, das auf Betreiben des Rallyeteams
Kramer ins Triestingtal gekommen war und für viel Freude und Action bei
den Zusehern sorgte – genauso wie Alfred Kramer mit dem als „Spiritusbrenner“
ausgelegten Mitsubishi.
Die Triestingtal-Rallye war bereits der zweite Einsatz in Österreich
mit diesem Fahrzeug, und hier gab es deutlich mehr Störfälle als
bei der Lico-Lavanttal-Rallye, die im Vergleich dazu äußerst gefällig
verlaufen ist. Auf der ersten Prüfung kämpften die Alternativen
noch Seite an Seite – Alfred Kramer 11. gesamt knapp vor Hannes Danzinger
mit dem Erdgas-Golf. Daniel Emstedt mit dem SEAT Ibiza folgte wenige Plätze
dahinter. Ein starker Beginn für jemanden, der die Triestingtal-Rallye
noch nie davor gefahren ist, zumal die Besetzung einen neuen Rekordwert erreicht
hatte. Doch dann begann für Alfred Kramer und Jürgen Rausch der
große sportliche Absturz: Nicht der Copilot zeigte sich disziplinlos,
sondern eher das Auto. Schon auf der ersten Prüfung zeigte sich der Mitsubishi
äußerst träge in der Gasannahme, schlimmer als die Turbo-Verzögerung
der frühen Jahre. Was das bedeutet, wenn man in einer Kurve driftet und
darauf eingestellt ist, das Auto zwecks Stabilisierung auf Zug zu halten,
kann man sich leicht vorstellen. Hier konnte sich Alfred Kramer noch mit Tricks
helfen – auf der zweiten Prüfung aber nicht mehr. Die schlichte
Diagnose: Motor aus. Und das Ganze noch dazu an einer unübersichtlichen
Stelle. Immer wieder die nachkommenden Fahrer warnen, nebenbei ein wenig am
Relais reparieren – eine halbe Stunde war da schnell vorbei.

Es gelang gerade noch, die Rallye innerhalb der Toleranzzeit fortzusetzen,
ergebnismäßig konnte man sie zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen.
Im Service konnten die ärgsten Aussetzer beseitigt werden, von vollständiger
„Ausnüchterung“ war aber noch lange keine Rede. Dennoch waren
Alfred Kramer und Jürgen Rausch beim zweiten Durchlauf von Weißenbach
bereits Neunt-Schnellste, ihr bis dahin bestes SP-Ergebnis.
Weil das so schön war, wiederholten sie das gleich einige Male hintereinander,
ehe sie auf dem Rundkurs Kleinfeld I mit einer siebenten Gesamt-Zeit eine
neue persönliche Bestmarke schafften, mit einem kaum nennenswerten Rückstand
auf die bekannten Größen Mario Saibel und Franz Wittmann Junior.
Je länger die Rallye dauerte, umso besser wurden die Zeiten, was zwar
nicht dem Ergebnis, dafür aber der Selbstbestätigung diente. Der
zweite Umlauf des Rundkurses Kleinfeld, der auch ein spektakuläres Bergab-Überholmanöver
durch eine Wiese beinhaltete, brachte sogar eine dritte Gesamt-Zeit hinter
den schnellen italienischen Mitsubishi-Piloten Alessandro Taddei und Antonio
Marchioro, inzwischen beide im Besitz eines Triestingtal-Gesamtsiegerpokals.
Spätestens hier muß man sich fragen: Was wäre gewesen, wenn…

Die absolute Krönung aber war die Abschluß-SP, der Rundkurs Coopers
durch das Ortsgebiet von Weißenbach – ein willkommenes Kontrastprogramm
zu den Schotterprüfungen durch die Berg- und Tal-Landschaft des Triestingtals.
Die Motivation, hier Bestzeit zu holen, war geradezu übernatürlich,
aber als der Motor in den engen Kurven und Ecken erneut kotzte, schien die
Sache gegessen. An eine schnellste Gesamt-Zeit wollten Alfred Kramer und Jürgen
Rausch beim besten Willen nicht mehr denken. Umso größer war die
Überraschung und die Freude, als allen Übeln zum Trotz im Ziel die
Eins aufleuchtete – stilvoller kann man nicht verlieren.
Insoferne brachte die Teilnahme bei der Triestingtal-Rallye sehr ermutigende
Erkenntnisse, trotz des letzten Platzes, der weder etwas mit der fahrerischen
Leistung von Alfred Kramer noch mit den prinzipiellen technischen Möglichkeiten
des Alkohol-betankten Mitsubishi Lancer Evo 6,5 zu tun hat. Daniel Emstedt,
der es mit seinem Frontantrieb auf den Schotterstrecken naturgemäß
ein wenig schwerer hatte, zeigte mit dem SEAT Ibiza ebenfalls einen sehr beherzten
Fahrstil und war zeitweise sogar in der Lage, Hannes Danzinger mit dem VW
Kitcar zu fordern. Ein wirkliches Glück hatte leider auch er nicht, er
verlor ein Rad. Nächstes Jahr probiert er’s wieder.

Alfred Kramer wiederum hat den Kater an der Motorelektronik seines Mitsubishi
bereits erfolgreich auskuriert – ein Sieg beim Parallelrallycross im
slowenischen Logatec steht als Beweis dafür. Damit darf man sich auch
für die Jacques Lemans-Althofen-Kärnten-Rallye einiges erhoffen:
Angestrebt wird nicht mehr und nicht weniger als der Gesamtsieg.
Na denn: Wohl bekomm’s!
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