Der finnische Michelin-Partner erwies sich über das gesamte Wochenende
als der dominierende Mann und feierte in den Straßenschluchten des monegassischen
Fürstentums von der Pole Position aus einen souveränen Start-Ziel-Sieg.
Hinter ihm sorgte das Fahrerduo des Michelin-Partners BMW-WilliamsF1 –
Nick Heidfeld und Mark Webber – mit den Rängen zwei und drei dafür,
dass sich das Siegerpodest auch beim sechsten von 19 Saisonläufen fest
in der Hand des Bibendums befand. Mit Fernando Alonso, Juan Pablo Montoya
und Ralf Schumacher auf den Plätzen vier bis sechs fuhren drei weitere
Partner des französischen Reifenherstellers in die Punkteränge.
Mit seinem zweiten Saisonsieg in Folge erweist sich Michelin-Pilot Kimi
Räikkönen derzeit als der Mann der Stunde in der Formel 1: Vor allem
die scheinbare Leichtigkeit, mit der der junge Finne dem sechsten WM-Lauf
seinen Stempel aufdrückte, untermauert diesen Eindruck. Mit nun 27 Punkten
verbesserte sich der McLaren-Fahrer auf den zweiten Rang der Fahrerwertung.
Zuleich konnte er den Rückstand auf den ebenfalls auf Michelin vertrauenden
Spitzenreiter Fernando Alonso, der den Grand Prix von Monaco auf Rang vier
beendete, auf 22 Zähler verkürzen. In der Konstrukteurswertung verringerte
sich der Vorsprung von Alonsos Arbeitgeber Renault auf zwölf Punkte gegenüber
den „Silberpfeilen“.

Mitreißender Zweikampf zwischen Räikkönen und Alonso
im Qualifying
Bereits während den beiden Durchgänge des Qualifikationstrainings
begeisterten die beiden „jungen Wilden“ die Fans: In der ersten
Qualifying-Session sicherte sich Räikkönen am Samstagnachmittag
die vorläufige Pole Position und schenkte seinem Widersacher dabei rund
0,5 Sekunden ein. Der spanische Renault F1-Pilot ließ sich von diesem
Rückstand jedoch in keiner Weise beeindrucken, schlug am Sonntagvormittag
zurück und brannte seinerseits die schnellste Runde der Sitzung in den
Asphalt. Schließlich behielt Räikkönen aber mit der Winzigkeit
von 0,083 Sekunden die Nase seines McLaren MP4/20 vorn und genoss damit auf
dem winkligen Straßenkurs in Monte Carlo – der bekanntermaßen
so gut wie keine Überholmöglichkeiten bietet – zum dritten
Mal in Folge den Vorteil der besten Startposition.
Und daraus schlug er Nutzen: Nach dem Erlöschen der Startampel gewann
der McLaren-Pilot den Sprint zu ersten Kurve und nahm somit als erster die
Auffahrt zum Casino in Angriff. Direkt in seinem Windschatten folgte Alonso
vor seinem Teamkollegen Giancarlo Fisichella. „Fisico“ profitierte
dabei von Mark Webbers Missgeschick, der sich mit seinem Williams-BMW FW 26
nur schlecht vom dritten Startplatz löste und auch noch Toyota-Fahrer
Jarno Trulli passieren lassen musste. Auch Nick Heidfeld wollte in der Startphase
an seinem Teamkollegen Webber vorbeiziehen, musste sich aber zunächst
noch hinter dem Australier einordnen. In der Folgezeit legte der führende
Räikkönen ein Tempo vor, das nur die beiden Renault-Piloten mitgehen
konnten. Runde für Runde setzte sich das Führungs-Trio somit immer
weiter vom Rest des Feldes ab.

Die vielleicht rennentscheidende Szene ereignete sich in Runde 24: Nach einem
Dreher von Christian Albers ausgangs der Mirabeau-Kurve kam es zu einer Kollision,
in der neben Red Bull-Pilot David Coulthard und dem amtierenden Weltmeister
Michael Schumacher auch die beiden Sauber involviert waren. Die folgende Safety
Car-Phase nutzte die Vielzahl der Fahrer zu einem Boxenbesuch – so auch
die beiden Renault-Fahrer und das Williams-Duo. Von den Führenden blieb
lediglich Räikkönen auf der Strecke. „Eigentlich wollte ich
auch hereinkommen“, erklärte der Finne nach der Zieldurchfahrt.
„Aber die Situation war etwas unklar. Erst als ich die Boxeneinfahrt
passiert hatte, erfuhr ich, dass das Safety Car definitiv kommt wird. Da war
es zu spät.“ Dieses „Missgeschick“ sollte sich allerdings
als Vorteil erweisen: Während seine Kontrahenten durch ihre Stopps Positionen
einbüßten und sich im dichten Verkehr wiederfanden, blickte Räikkönen
– nachdem das Rennen wieder freigegeben war – auf eine freie Strecke
vor sich.

Ein Luxus, den er sichtlich genoss: Mit konstant schnellen Rundenzeiten legte
der Finne in seinem Michelin-bereiften McLaren-Mercedes derart viel Abstand
zwischen sich und seine Verfolger, dass er auch nach seinem einzigen Boxenstopp
in der 42 Runde als Führender auf die Strecke zurückkehrte. Räikkönen
konnte sich anschließend darauf beschränken, seinen Vorsprung bis
ins Ziel zu verwalten – ohne dabei ans Limit gehen zu müssen. Dabei
profitierte er zusätzlich von der Tatsache, dass Alonso auf Rang zwei
mehr und mehr mit stumpfen Waffen kämpfte: Aufgrund eines offensichtlich
nicht perfekten Set-ups litt sein Renault R25 – ebenso wie der seines
Teamkollegen Fisichella – mit zunehmender Renndauer unter zu hohem Reifenverschleiß,
was sich unter anderem in nachlassendem Grip und schlechter Traktion auswirkte.

Williams-Duo stürmt mit Macht auf das Podium
Die beiden Renault-Fahrer umrundeten den 3,340 Kilometer langen Stadtkurs
im letzten Renndrittel deshalb zum Teil um drei bis vier Sekunden langsamer
als die ebenfalls Michelin-bereifte Konkurrenz. Logische Konsequenz: Mark
Webber und Nick Heidfeld schlossen innerhalb kürzester Zeit auf Alonso
auf. Im 57. Umlauf verabschiedete sich der Deutsche kurzzeitig aus diesem
Dreikampf und legte seinen zweiten Boxenstopp ein. Sein Teamkollege fuhr eine
Runde später beim BMW-Williams-Rennstall vor und musste sich anschließend
hinter „Quick Nick“ auf Rang vier einreihen. Sechs Runden vor
Rennende setzte Heidfeld am Ausgang des Tunnels schließlich zur entscheidenden
Attacke an und bremste Alonso vor der Hafenschikane mit einem sehenswerten
Manöver aus. Exakt an derselben Stelle passierte auch Webber zwei Runden
später den jungen Spanier. Der sieht sich kurz darauf erneut extremen
Druck ausgesetzt, kann seinen vierten Rang aber bis zur Ziellinie gegen die
von Juan Pablo Montoya angeführte Verfolgergruppe verteidigen.
Der Kolumbianer in McLaren-Mercedes Diensten sicherte sich und seinem Team
damit vier weitere WM-Punkte, die er vor dem Rennen nicht zwingend erwarten
durfte: Aufgrund seiner Beteiligung an einer Kollision im vierten Freien Training
wurde Montoya von den Rennkommissaren auf den 16. Startplatz strafversetzt.
Auch Ralf Schumacher lieferte beim Grand Prix von Monaco eine beeindruckende
Vorstellung ab: Nach einem Unfall in der ersten Qualifying-Session und einem
Motorwechsel an seinem Toyota nur von Platz 18 gestartet, fuhr der Kerpener
bis auf Rang sechs nach vorne. Damit trug er seinen Teil dazu bei, dass Michelin-Partner
die ersten sechs Plätze des Grand Prix von Monaco 2005 unter sich aufteilten.
Michelin führt beide WM-Wertungen weiterhin souverän an
In der Fahrer-Wertung konnte Kimi Räikkönen dank seines zweiten
Saisonsiegs den Rückstand auf Fernando Alonso auf 22 Punkte verkürzen.
Michael Schumacher trennen als bestplatziertesten Nicht-Michelin-Pilot bereits
37 WM-Zähler auf den Führenden. Ähnliches Bild in der Konstrukteurs-Tabelle:
Renault F1 führt mit 63 Punkten vor McLaren-Mercedes (51), Toyota (43)
und BMW WilliamsF1 (35). Ferrari folgt mit 21 Zählern auf Rang fünf.