Ein Mercedes-Benz soll sich nicht in den laufenden Trend einfügen, sondern
höchstens einen neuen setzen. Diese alte Maxime der Nobelmarke stellt
der Mercedes-Benz GLK exemplarisch dar. Die Form dieses kompakten Sports Utility
Vehicles (SUV) fügt sich eben nicht in die Reihe der rund-dynamischen
SUV von heute ein, sondern zeigt eine ganz eigene Formensprache.
Das Vorbild für den GLK liefert die Unternehmensgeschichte. Er fühlt
sich seinem längst geadelten Urahn, dem berühmten und seit Jahrzehnten
gebauten „G-Daimler“ verpflichtet. Steile Front, steile Windschutzscheibe,
niedrige Gürtellinie und damit hohe Fensterflächen zeigen, wir sehr
man damals auf gute Sicht und Übersichtlichkeit achtete – eine
Eigenschaft, die heute angesichts schrumpfender Fensterflächen und ausgeprägter
C-Säulen oft die Seh(n)sucht auslöst, die nun vom GLK erfüllt
wird.
Mit seinen ausgeprägten Kanten und klaren Linien präsentiert der
GLK sich in der Masse der Wettbewerbe trotzig – und trutzig. Das Gefühl
von Sicherheit stellt sich in ihm rascher ein als bei den Gefährten,
die eher dem Zeitgeist folgen. Von außen wirkt er aber keineswegs wie
eine Burg auf Rädern. Gerade dank der niedrigen Gürtellinie und
geschickt gesetzter Kanten kann man dem kompletten Fahrzeug bis zur A-Säule
das Prädikat „zierlich“ zudenken – vergleichsweise
zierlich natürlich.
Innen verbreitet die gute Sicht rasch die Zuversicht, dass man auch in der
Stadt mit dem GLK keine Probleme bekommen werde, weil man von der erhöhten
Sitzposition aus alles gut im Blick und damit auch schon fast im Griff hat.
Da die Bedienelemente offensichtlich auch keine Fragen aufwerfen, die sich
nicht rasch klären ließen, bleibt die bei so manchem SUV übliche
Schwellenangst aus.
A propos Schwellen: Beim Öffnen gibt die Tür nicht etwa die komplette
Fläche des Türblatts als Einstieg frei. Dem steht eine Strebe entgegen,
die zu übersteigen ist und die den Einstieg unangenehm verengt. Hat man
die Füße daran vorbei eingefädelt, Darf man den mercedes-typischen
Innenraum mit guten Materialien und sehr guter Verarbeitung genießen
und sich darüber wundern, dass die Designer auch im Innenraum bei den
Senkrechten und Waagerechten als Grundelemente der Gestaltung geblieben sind.
Hier weht wieder der Hauch der Geschichte, allerdings nicht unangenehm verschroben
wie bei alten Geländewagen, sondern gerade, klar und konsequent.
Wir erlebten den GLK mit dem Sechszylinder Benziner mit 3,5 Litern Hubraum
und 200 kW / 272 PS bei 6000 Umdrehungen pro Minute (U/min) und einem maximalen
Drehmoment von 350 Newtonmetern zwischen 2400 und 5000 U/min in Kombination
mit der serienmäßigen Sieben-Gang-Automatic „7G-Tronic“.
So üppig motorisiert schaffte unser GLK die 100-km/h-Marke nach 6,7 Sekunden
und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.
Geländewagenatmosphäre kommt auf, wenn man sich die entsprechende
Zusatzausstattung leistet und mit Styling Offroad-Paket (900 Euro) und Offroad-Technik-Paket
mit Downhill-Geschwindigkeitsregelung, Offroad-Fahrprogramm und Unterbodenschutz
(590 Euro) und diesem Mercedes das Gelände zumuten mag. Da kann er viel,
aber er wirkt glücklicher, wenn er Asphalt unter seinen 17-Zoll-Rädern
mit Reifen im Format 235/60 R 17 hat. Dann benimmt sich der Urenkel des G-Daimler
so wie eine hohe Limousine: guter Geradeauslauf, präzise Lenkung, gemessen
an der Höhe des Autos mit immerhin 1,70 Metern wenig Wanken in Kurven,
spontan reagierenden und leise arbeitenden Sechszylinder, der sich nur dann
meldet, wenn er die volle Leistung an die vier Räder bringen soll.
Wir verzichteten – wie vermutlich 95 Prozent der GLK-Käufer –
darauf, seine Geländeeigenschaften auszufahren. Wir setzten ihn als Reise-
und Stadtfahrzeug ein, und waren sehr zufrieden, auch mit dem Verbrauch, der
sich in der Praxis mit Werten um die elf Liter auf 100 km nur wenig über
dem angegebenen Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm) von 10,8 Litern einpendelte.
Zum angegebenen Normverbrauch gehört ein Kohlendioxidausstoß von
230 Gramm pro Kilometer. Der fahrbereit 1830 kg schwere GLK bietet also standesgemäße
Fahrleistungen zu einem für einen so starken Motor recht akzeptablen
Verbrauch.
Im Innenraum finden sich viele offene und verschlossene Ablagen. Im Übrigen
orientiert sich der GLK bei der Flexibilität an einem üblichen Kombi.
Sein Laderaum kann durch teilweises oder ganzes Umlegen der Rücksitzlehnen
von einem Kofferraum mit 450 Litern Inhalt in einen Laderaum mit ebenem Boden
verwandelt werden. Im Vergleich zum Kombi sind beim SUV Bestwerte in dieser
Disziplin nicht zu erwarten. Die Karosserie ist mit 4,53 Meter zu kurz. Dafür
setzt er mit 655 kg Zuladung eine beachtliche Marke für einen Fünfsitzer
seiner Klasse.
Mit seinem Basispreis von 46 058 Euro liegt der GLK auf demselben Niveau
wie der Audi Q5 oder der BMW X3. Der GLK stellt sich also auch bei dieser
Motorisierung dem direkten Vergleich mit den beiden anderen Premium-Anbietern.
Der Preis steht also einem Erfolg des kantigen Charakters in seinem Segment
nicht entgegen. (Auto-Reporter.net/Sm)
Daten Mercedes-Benz GLK 350 4Matic
Länge x Breite x Höhe: 4,53 m x 1,84 m x 1,70 m
Leergewicht/Zuladung: 1830 kg/650 kg kg
Motor (Bauart, Hubraum): Sechszylinder mit Direkteinspritzung, 3498 ccm
Max. Leistung: 200 kW / 272 PS 6000 U/min
Max. Drehmoment: 350 Nm zwischen 2400 und 5000 U/min
Verbrauch NEFZ im Mittel: 10,8 Liter
CO2-Emission: 250 g/km
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Kofferraum: 450 Liter, erweiterbar
Basispreis: 46 053 Euro