Der
erste Eindruck ist bekanntlich besonders nachhaltig und entscheidet
meist über Top oder Flop. Wir hatten bereits vor der
Markteinführung des neuen BMW die Möglichkeit, der
5er Limousine einmal auf das Gaspedal zudrücken. Und wer, nach
den ersten Bildern, mit dem Gedanken spielt, den neuen 5er in seine
engere Kaufentscheidung einzubinden, dem sei gesagt: BMW hat ein
interessantes Modell auf die Straße gebracht. Unser Tipp: In
die 4,90 Meter lange 5er Limousine sollte man zur einer Probefahrt
einsteigen. Ab März wird der neue 5er auf dem deutschen Markt
zunächst wahlweise mit vier Benzin- und zwei
Turbodieselmotoren angeboten. Wir hatten zur ersten Fahrt, die auch
schnelle Runden auf der portugiesischen Rennstrecke in Estoril bot, den
530d gewählt. Klar, der Dieselanteil in diesem Segment, das
die E-Klasse von Mercedes-Benz, der Audi A6 und der BMW 5er
beherrschen, ist entsprechend hoch – jedenfalls in
Deutschland.
Die neue 5er Limousine
fährt sehr fahrdynamisch und agil
Foto: unitedpictures/auto-reporter.net
Mit dem BMW 530d kratzt der Kunde mit 49.300 Euro bereits an der
magischen 50.000 Euro Grenze – und die lässt sich
problemlos noch weiter nach oben schrauben. Nun gut, die
Serienausstattung kann sich zwar sehen lassen, aber BMW bietet so viele
innovative Optionen an, dass im 245 PS starken 530d auf keinen Fall das
hervorragende Achtstufen-Automatikgetriebe (2.200 Euro) fehlen sollte.
Sie kombiniert gerade in Verbindung mit dem 3,0-Liter
Reihensechszylinder, den in der Klasse erwarteten Anspruch bei Komfort,
Sportlichkeit und Effizienz auf eine ganz angenehme Art. Mit dem
maximalen Drehmoment von 540 Nm im Drehzahlbereich von 1750 und 3000
Umdrehungen pro Minute geht diese feine Schaltautomatik beeindruckend
komfortabel und fahrdynamisch um.
Im Gegensatz zur Sechsstufen-Automatik wurden hier nochmals die
Reaktions- und Schaltzeiten verkürzt. Fakt ist, dass zum 250
km/h schnellen 530d eine Automatik gut passt und die mit acht Stufen
ganz besonders. Mit ihr kann sogar der Normverbrauch und die
CO2-Emissionen gegenüber dem Handschalter nochmals unterboten
werden: 6,2 Liter/100 km und 162 g/km sind ein Wort. Wer der Umwelt
etwas ganz besonders Gutes tun möchte, der bekommt den 530d
auch mit der BluePerformance (Aufpreis 1.190 Euro), die dank
Speicherkatalysator zur Reduktion der Stickoxide bereits heute schon
die strenge Abgasnorm EU6 erfüllt.
Dass sich der neue 5er als eine sehr fahrdynamische und agile Limousine
präsentiert, ist neben der Kombination einer
Doppelquerlenker-Vorderachse mit einer Integral-V-Hinterachse und der
elektromechanischen Servolenkung auch der Ingetral-Aktivlenkung
(Aufpreis 1.750 Euro) zu verdanken – ein technisches Novum in
der oberen Mittelklasse. Bereits beim Vorgänger gab es die
Aktivlenkung, jetzt wird sie mit einer mitlenkenden Hinterachse
verfeinert. In der Praxis ermöglicht sie bei niedriger
Geschwindigkeit mit wenigen Lenkbewegungen und ohne Umgreifen zu
rangieren. Dagegen wird bei höherem Tempo mit der gleichen
Lenkradbewegung ein geringerer Radeinschlag ausgelöst, sodass
die Präzision beim Anfahren von Kurven optimiert wird.
Empfehlenswert, aber mit 3.000 Euro nicht gerade preiswert, ist die
technische Ausstattung Adaptive Drive, die nicht nur die Wankbewegungen
des 530d reduziert, sondern auch mit Hilfe der dynamischen
Dämpfer Kontrolle dem Fahrer ermöglicht, bequem per
Knopfdruck die Fahrwerkseinstellung Normal, Komfort und Sport
einzustellen. Je nach Wunsch unterstreicht die
Dämpfereinstellung den fahraktiven Charakter des 530d.
Richtig, der 5er ist kein Sportwagen, aber je nach Abstimmung bietet er
ein hohes Maß an dynamischer Sportlichkeit – wie
auf der Rennstrecke zu erfahren war. Demgegenüber steht aber
auch ein großer Anteil an Komfort, der den Anspruch einer
Langstrecken-Limousine im kraftvollen 530d unterstreicht.
Beim neuen 5er kosten die sicherheitsrelevanten Xenon-Scheinwerfer
(1.200 Euro) ohne Kurvenlicht (450 Euro) Aufpreis. Wie in dieser Klasse
üblich können für weitere Extras Geld
ausgegeben werden. Vorteil: Optionen, die bislang nur in der Oberklasse
zu haben waren, gibt es jetzt auch hier. Wie beispielsweise das Head-up
Display (1.390 Euro), das verschiedene fahrrelevante Informationen auf
die Frontscheibe projiziert, oder die Spurverlassens- (520 Euro) und
Spurwechselwarnung (620 Euro).
Steigt man in den 530d ein, fühlt man sich sofort wohl. Alles
passt wie ein schöner Maßanzug. Nur schade, dass die
tollen elektrisch verstellbaren Komfortsitze mit 2.260 Euro zu Buche
schlagen. Der Innenraum verwöhnt mit guten
Verarbeitungsqualität und Materialanmutung. Allerdings bietet
der neue 5er auch bei einem Radstand von 2,97 Meter im Innenraum keine
überdurchschnittlich üppigen
Raumverhältnisse, im Fond ist die Beinfreiheit im Gegensatz
zum Wettbewerber E-Klasse etwas knapper. (auto-reporter.net/Peter
Hartmann)