Michelin und McLaren-Mercedes siegen auch in Kanada Diesmal war der Pechvogel vom Nürburgring eher „Kimi im Glück“: Nachdem sich nacheinander Giancarlo Fisichella, Fernando Alonso und Juan Pablo Montoya als Führende vorzeitig aus dem Großen Preis von Kanada verabschieden mussten, holte McLaren-Mercedes-Star Kimi Räikkönen für Michelin die Kastanien aus dem Feuer.
Der Finne siegte vor den beiden Ferrari-Fahrern Michael Schumacher
und Rubens Barrichello. Reifenspezialist Michelin errang damit den achten Sieg
im achten Saisonrennen und führt weiterhin beide WM-Wertungen souverän
an.
Es scheint eine recht einseitige Liebesbeziehung zu sein, die
viele Formel 1-Piloten zum „Circuit Gilles Villeneuve“ pflegen:
Gerade diejenigen, die den Kurs vor den Toren der kanadischen Metropole als
ihre Lieblingsstrecke bezeichnen, wurden diesmal Opfer einer Ausfallorgie, die
nicht nur drei Spitzenreiter hintereinander, sondern auch mindestens zwei weitere
Podestkandidaten aus dem Rennen riss - der sonst so dominante Michelin-Kader
dünnte sich damit empfindlich aus.
Am härtesten traf es dabei sicher das Renault F1-Team:
Im Vorfeld hatten Fahrer und Techniker noch betont, wie gut die Renault-Boliden
auf der Île Notre Dame zurecht kommen. Nachdem Fernando Alonso und Giancarlo
Fisichella schon in den freien Trainingssitzungen an der Spitze mitmischten,
schien das Qualifying dieser These endgültig recht zu geben. Beide Renault-Stars
teilten sich die zweite Startreihe. Es sollte noch besser kommen: Mit dem Verlöschen
der Startampel stürmten die beiden gelb-blauen Boliden am Trainingsschnellsten
Jenson Button im BAR und Weltmeister Michael Schumacher im Ferrari vorbei und
übernahmen noch vor der ersten Kurve die Führung.
Aus Michelin-Sicht lief der Start perfekt: Hinter den Gelb-Blauen kassierte
auch Juan Pablo Montoya im McLaren-Mercedes den schlecht gestarteten Schumacher,
Pole-Sitter Button und Kimi Räikkönen im zweiten Silberpfeil komplettierten
die Spitzengruppe, so dass sich zeitweise eine Fünffachführung der
Michelin-Partner ergab.
Qualifying verhieß interessante Strategie-Spiele
Dass der amtierende Weltmeister überhaupt in die Phalanx der französisch
bereiften Piloten einbrechen konnte, hatte seinen Grund in einem Qualifying,
aus dem Experten auf einen verheißungsvollen Vergleich verschiedener Rennstrategien
schlossen. Sowohl die Renault R25 als auch die McLaren-Mercedes MP4-20, die
dominierenden Fahrzeuge der ersten Saisonhälfte, mussten sich im Einzelzeitfahren
Michael Schumacher beugen. Der Grund: Der Deutsche hatte mit einem extrem leicht
betankten Auto gepokert. Dieselbe Idee allerdings verfolgten BAR-Honda und Jenson
Button. Der Brite setzte seinen Gewichtsbonus optimal um, holte sich die zweite
Pole Position seiner Karriere und sicherte Michelin auch in Kanada wieder die
Trainingsbestzeit.
Die „leichten Jungs“ aus der ersten Reihe spekulierten
also darauf, das Rennen von der Spitze bestimmen zu können. Einen völlig
anderen Plan aber verfolgten die Blitzstarter von Renault: Noch vor der ersten
Kurve zogen sie in der Reihenfolge Fisichella vor Alonso vorbei und in der Folge
auch davon. Als ihre leichteren Verfolger Button und Michael Schumacher bereits
ab Runde 15 Benzin nachfassen mussten, war klar: Als einzige ernsthafte Renault-Konkurrenten
blieben die beiden McLaren-Piloten, die sich auf derselben Tankstrategie wie
das gelb-blaue Duo befanden. Mehr noch: Ab Runde 20 lieferten Montoya und Räikkönen
eine schnellste Rennrunde nach der anderen. Da das Führungsquartett jedoch
auch nach dem fast parallel absolvierten Tankstopp-Reigen unverändert seine
Bahnen zog, deutete viel darauf hin, dass die kanadischen Fans hier bereits
die Parade des endgültigen Zieleinlaufs sahen.
Es kam völlig anders: In Runde 32 wurde Giancarlo Fisichella
dramatisch langsamer. „Hydraulikdefekt“ funkte ihm der Kommandostand
ins Cockpit. Für den schnellen Italiener war damit klar, dass er seinen
Renault R25 in der Box abstellen musste. Nur sechs Runden später konnten
die Renault F1-Mechaniker dann zusammenpacken: Fernando Alonso hatte die Mauer
ausgangs Turn 4 touchiert konnte mit seinem waidwunden Boliden nur noch in die
Box zurückhumpeln.
Montoya übernahm die Führung - doch auch ihm sollte
sie kein Glück bringen. Jenson Button rutschte gegen die berühmte
Mauer ausgangs der Schikane vor Start und Ziel. Sein BAR trudelte auf der Zielgeraden
aus, so dass die Rennleitung das Safety Car auf den Kurs schicken musste, bis
der havarierte Bolide geborgen war. Die meisten Fahrer nutzten die Gelegenheit,
um ihre nächsten Tankstopps einzulegen. Während Räikkönen
dabei die Führung eroberte, erlaubte sich Montoya einen folgenschweren
Faux-Pas. Der Kolumbianer verließ trotz roter Ampel die Boxengasse und
erhielt von der Rennleitung die Schwarze Flagge. Der dritte Führende war
out und der Weg frei für Räikkönen. „Ich habe hier das
gewonnen, was ich am Nürburgring verloren hatte“ gab sich der Finne
zufrieden. „Für mich beginnt der Kampf um den Titel jetzt von vorn.“
Hinter dem „Iceman“ lief das Ferrari-Duo Michael Schumacher und
Rubens Barrichello ein. Der aus der Boxengasse gestartete Brasilianer profitierte
neben der Safety Car-Phase auch von der hohen Ausfallquote. Die bereicherte
gegen Rennende auch noch der bis dahin drittplatzierte Jarno Trulli. Der Toyota-Michelin-Pilot
befand sich auf dem Weg zu einem weiteren Podestplatz, als ihm beim Anbremsen
der letzten Schikane wenige Runden vor dem Rennende die vordere rechte Bremsscheibe
kollabierte.
Mehr Freude mit dem Rennausgang hatte Michelin-Partner Sauber-Petronas.
„Das ganze Rennen hindurch funktionierte das Auto so konstant, dass ich
gut angreifen konnte“, rapportierte der Viertplazierte Felipe Massa. „Aber
durch das Duell mit Mark Weber waren die letzten 15 Runden die härtesten
meiner Kariere.“ Der angesprochene Wiliams-BMW-Pilot war mit Platz fünf
durchaus einverstanden: „Als das Safety-Car auf die Strecke ging, war
es problematisch, die Reifentemperatur hoch genug zu halten. Wir haben aus einem
schwierigen Wochenende noch etwas herausgeholt - vier Punkte und für mich
einen guten Startplatz für das Qualifying in Indy.“
Trotz des Ausfalls führt Michelin-Partner Fernando Alonso
weiter die Fahrerwertung an. Er liegt mit 59 Punkten noch immer klar vor Räikkönen
mit 37. Etwas knapper sieht es in der Konstrukteurs-Wertung aus, wo das Renault
F1-Team nur noch 13 Zähler vor McLaren liegt. Partner von Michelin belegen
momentan die ersten vier Plätze in der Fahrer- und der Konstrukteurs-Wertung.
Statistisches
Großer Preis von Kanada, Circuit Gilles Villeneuve, Montreal (CDN),
8. Lauf zur FIA-Formel 1-Weltmeisterschaft 2005 (12. Juni 2005);
Renndistanz: 70 Runden à 4,361 km = 305,270 km.
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