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    Vorschau: Großer Preis der USA, 9. Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft
    Geschrieben am Wednesday, 15.June 2005 um 19:50:21 CEST
    Thema: Formel 1
    Formel 1Große Vorschau
    Der Indianapolis Motor Speedway zeichnet sich vor allem durch seine Kombination zweier gegensätzlicher Strecken-Charakteristiska aus: Der Hochgeschwindigkeits-Passage über einen Teil des Oval-Kurses steht ein ausgesprochen winkliges Kurvengeschlängel im Infield gegenüber.




    Die Fahrer und ihre Ingenieure stehen dabei vor der ausgesprochen schwierigen Aufgabe, den optimalen Set-up-Kompromiss zu finden: Vom sonstigen „Turn 1“ bis zum Ende der Start-Ziel-Geraden arbeiten die Zehnzylinder der Formel 1-Monoposti volle 24 Sekunden lang ununterbrochen unter Vollast - länger als auf jeder anderen Grand Prix-Strecke. Im Sinne einer hohen Endgeschwindigkeit ist dabei eine äußerst flache Stellung der Flügel gefragt. Der daraus resultierende geringe Abtrieb steht allerdings im krassen Gegensatz zu den Anforderungen des Infields, wo es in den langsamen Kurven auf möglichst viel Grip ankommt. „Wenn wir wählen könnten, nähmen wir hohen Abtrieb und gleichzeitig eine hohe Endgeschwindigkeit - aber das ist leider unmöglich“, beschreibt Michelin-Partner und Renault F1-Pilot Fernando Alonso das Dilemma.

    Bei den zurückliegenden Ausgaben des USA-Grand Prix neigten die Teams überwiegend dazu, ihre Abstimmung auf den kurvenreichen Abschnitt des Indianapolis Motor Speedway hin auszurichten. „Dabei darfst du es aber nicht übertreiben“, relativiert der WM-Führende Alonso. „Deine Abstimmung sollte die bei aller Konzentration auf das Kurvengeschlängel trotzdem erlauben, auf der Geraden schnell genug zu sein, um aus dem Windschatten heraus Gegner überholen, gleichzeitig aber auch Attacken deiner Kontrahenten parieren zu können.“

    Der Große Preis der USA aus der Sicht von Michelin
    Im Rahmen des Set-up-Puzzles kommt auf dem „Brickyard“ von Indianapolis auch den Reifen eine besondere Bedeutung zu: In der Hochgeschwindigkeits-Passage durch die überhöhte Kurve sowie in der Bremszone am Ende der Start-Ziel-Geraden ist eine eher steife Reifenkonstruktion für höhere Geschwindigkeiten und Richtungsstabilität gefragt. Die im Infield benötigten Tugenden Grip und Traktion lassen sich hingegen am besten mit einer eher weichen Laufflächenmischung in Kombination mit einer weichen Flanke realisieren. „Es ist wichtig, einen Reifen zu haben, der die hohen Belastungen in der Steilwand aushält und gleichzeitig bei geringen Geschwindigkeiten ausreichend Grip bietet“, fasst Sam Michael, Technischer Direktor des BMW WilliamsF1-Teams, zusammen. „Die Reifen für diesen Grand Prix wurden vor zwei Wochen in Europa ausgewählt, nachdem wir im Rahmen unseres Testprogramms mit Michelin an der Mischung gearbeitet haben. In puncto Rennstrategie rechne ich in Indianapolis mit zwei Stopps. Aber wir müssen abwarten, wie sich das Mehrgewicht durch den Kraftstoff auf den Reifenverschleiß auswirkt."

    In puncto Reifenverschleiß sieht Michelin Motorsport-Direktor Pierre Dupasquier keinerlei Probleme auf die französischen Pneus zukommen, auch wenn sie durch das geringe Abtriebs-Niveau der Formel 1-Boliden einen größeren Anteil an Grip liefern müssen. „Die überhöhte Kurve stellt trotz der Last und den hohen Geschwindigkeiten bei weitem nicht so hohe Anforderungen an die Reifen, wie viele vielleicht glauben“, erklärt der Franzose. Auf dem rutschigen Streckenbelag des Infields müssen die Teams und Fahrer darauf achten, dass die Traktionskontrolle ein übermäßiges Durchdrehen der Hinterräder wirkungsvoll unterdrückt.

    Das erwarten die Michelin-Partner
    Nachdem das Renault F1-Team beim Grand Prix von Kanada am vergangenen Wochenende erstmals in dieser Saison ohne WM-Punkte blieb, brennen die Gelb-Blauen darauf, wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden: „Du kannst im Motorsport nun einmal nicht in jedem Rennen vorne sein“, sagt Renault F1-Geschäftsführer Flavio Briatore. „Wir dürfen nicht vergessen, dass das gesamte Team in Montreal hervorragend gearbeitet hat und sich beide Renault R25 als sehr schnell erwiesen. Diese positiven Aspekte müssen wir mitnehmen. Dann werden wir in Indianapolis wieder zurückschlagen.“

    Mit der durch Kimi Räikkönens Sieg gekrönten überzeugenden Vorstellung beim Kanada-Grand Prix im Gepäck tritt McLaren-Mercedes die Reise nach Indianapolis an: „Die Strecke in Indianapolis sollte unserem McLaren MP 4/20 noch besser liegen als der Kurs in Montreal“, zeigt sich der WM-Zweite Räikkönen überzeugt. „Dort sollte es für uns also noch besser laufen als am vergangenen Wochenende.“ Das hofft auch Juan Pablo Montoya: „Ich möchte meine Disqualifikation möglichst schnell vergessen. Dabei sollte mir die Vorfreude auf den Grand Prix der USA helfen, denn ich liebe den Indianapolis Motor Speedway - nicht zuletzt, weil ich hier in der Saison 2000 das berühmte 500-Meilen-Rennen gewann.“

    Auch BMW WilliamsF1 geht davon aus, dass ihnen der „Brickyard“ in Indianapolis besser entgegenkommt als der Circuit Gilles Villeneuve: „Ich glaube, dass wir dort stärker sein können als in Montreal“, bestätigt Nick Heidfeld, der am vergangenen Wochenende vorzeitig mit Motorschaden ausfiel. Sein Teamkollege Mark Webber erwartet einen spannenden Rennverlauf. „Am Ende der langen Geraden ergeben sich oft gute Überholmöglichkeiten“, so der Australier. „Die Zuschauer dürfen sich auf viel Action freuen.“

    Am Ende eines derartig abwechslungsreichen Rennverlaufs sollen für Toyota Podestplätze stehen: „Wir verfügen über die nötigen Voraussetzungen, um in Indy schnell zu sein“, so Ralf Schumacher. „Unser Motor ist ausreichend leistungsstark für die lange Gerade und das Aerodynamik-Paket sollte im Infield gut funktionieren.“ Jarno Trulli ergänzt: „Toyota sah in Indianapolis in den vergangenen Jahren immer gut aus. Warum sollte dieses Jahr nicht erneut ein gutes Resultat möglich sein?“

    Red Bull Racing setzt beim Grand Prix der USA erstmals eine neue Entwicklungsstufe des Cosworth-Zehnzylinders ein: Mit der neu gewonnenen Kraft hofft das österreichische Team, erneut in die Top-Acht fahren zu können. „WM-Punkte sind für uns sehr wichtig, um unsere sehr gute Position in der Konstrukteurswertung weiter aufrecht zu erhalten“, so David Coulthard. „Wir haben nicht zuletzt in Monaco und auf dem Nürburgring eindrucksvoll unterstrichen, dass Red Bull Racing in der Lage ist, weit vorne mitzufahren.“

    Nach dem vierten Rang von Felipe Massa in Montreal hat auch das Sauber-Team Gefallen an vorderen Platzierungen gefunden: „Dieses Ergebnis hat gezeigt, was man mit Teamwork und Entschlossenheit erreichen können“, freut sich der Brasilianer. „Jacques Villeneuve und ich mögen die Strecke in Indianapolis. Auch unser Sauber C25 sollte dort gut funktionieren.“

    BAR-Honda möchte am kommenden Wochenende nicht nur endlich die ersten Punkte der Saison einfahren - das britisch-japanische Team rechnet sich sogar Chancen auf die oberste Stufe des Siegerpodests aus. „Ich denke, wir können um den Sieg fahren“, zeigt sich Teamchef Nick Fry kämpferisch. „Unser Auto ist schnell, wir mögen die Strecke und fuhren im Vorjahr ein gutes Ergebnis ein. Wir wollen die großen Punkte, nicht die kleinen Fische.“

    Rückblick: So lief der Große Preis der USA 2004
    Takuma Sato behielt während eines hektischen Rennens einen kühlen Kopf: Der Michelin-Pilot überzeugte beim Großen Preis der USA mit einer fehlerfreien Fahrt und sicherte sich mit seinem BAR-Honda den ersten Podiumsplatz seiner Karriere. Hinter den beiden Ferrari-Piloten Michael Schumacher und Rubens Barrichello belegte der Japaner beim neunten von 18 Saisonläufen zur Formel 1-WM 2004 den dritten Rang. Mit Jarno Trulli, Olivier Panis, Kimi Räikkönen und David Coulthard auf den Plätzen vier bis sieben liefen vier weitere Michelin-Partner in den Punkterängen ein. In einem von zahlreichen Ausfällen geprägten Rennen kamen insgesamt lediglich neun Fahrer in die Wertung.

    Kommentar
    Ralf Schumacher (Toyota Panasonic Racing): „Werden uns wohl für einen mittleren Compound entscheiden“
    „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Reifen in dem Oval-Abschnitt gar nicht so besonders stark beansprucht werden. Ich denke, wir sind gut vorbereitet. Die Strecke im Innenraum besitzt einige sehr enge Passagen und stellt für uns Piloten eine fahrerische Herausforderung dar. Bei der Reifenmischung werden wir uns wohl für einen mittleren Compound entscheiden."

    Statistisches
    Großer Preis der USA, Indianapolis Motor Speedway, Indianapolis (USA),
    9. Lauf zur FIA-Formel 1-Weltmeisterschaft 2005 (19. Juni 2005);
    Renndistanz: 73 Runden à 4,192 km = 306,016 km.



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