«Anstatt das Rennen zu boykottieren, hätten die
Michelin-Teams akzeptieren sollen, in Kurve 13 mit geringerer Geschwindigkeit
zu fahren», teilte die FIA am Montag in Paris mit. So wären die Regeln
eingehalten worden, die Rennställe hätten WM-Punkte holen und die
Fans hätten einen Rennen sehen können.
Den Teams fehlte zweiter Reifentyp
«Der Grund für das Debakel ist klar», urteilte die FIA. Jedes
Team dürfe zwei Reifentypen mitbringen: einen am Limit und einen zweiten,
der etwas langsamer, aber absolut zuverlässig sei. Keines der Michelin-Teams
habe diese zweite Sorte in Indianapolis dabei gehabt. Schließlich habe
der französische Hersteller, der neue Reifen fürs Rennen in die
USA einfliegen lassen wollte, erklärt, dass auch diese unsicher seien.Vor
dem Start in die Box
Wegen Problemen mit den Reifen hatte Michelin seinen sieben Partnern aus
Sicherheitsgründen am Sonntag in Indianapolis von einem Start abgeraten.
Renault mit WM-Spitzenreiter Fernando Alonso, McLaren-Mercedes, BMW-Williams,
BAR-Honda, Toyota, Sauber-Petronas und Red Bull Racing hatten daraufhin nach
fehl geschlagenen Einigungsversuchen mit der FIA und den drei anderen, mit
Bridgestone-Reifen fahrenden Teams ihren Piloten befohlen, nach der Einführungsrunde
und vor dem offiziellen Start des Grand Prix in die Box zu fahren.
Der Dachverband bezeichnete Michelin und die mit den französischen Reifen
antretenden Teams als verantwortlich für das Desaster. Die Formel 1 sei
ein sportlicher Wettbewerb, der nach klaren Regeln funktionieren müsse.
«Es kann nicht jedes Mal neu verhandelt werden, wenn ein Teilnehmer
die falsche Ausrüstung zu einem Rennen mitbringt», schrieb die
FIA.
Zustimmung verweigert
Der Verband habe angesichts der Sicherheitsprobleme der Michelin-Reifen
neben anderen Vorschlägen angeboten, die Geschwindigkeit zu überwachen
und jegliche Exzesse zu bestrafen. Die betroffenen Teams hätten ihre
Zustimmung jedoch verweigert, es sei denn, die Bridgestone-Starter hätten
ihr Tempo im gleichen Umfang reduzieren müssen.
Die FIA warf den Michelin-Teams vor, diese hätten nicht eingesehen,
dass ein solches Vorgehen «extrem unfair» und auch gegen die Regeln
gewesen wäre. «Die Bridgestone-Teams hatten voll taugliche Reifen.
Sie mussten nicht verlangsamen», heißt es in der Erklärung.
Die FIA habe bereits am 1. Juni allen Teams und beiden Reifenherstellern mitgeteilt,
dass «die Reifen so gebaut werden müssen, dass sie unter allen
Bedingungen zuverlässig sind».
Plan B «nicht praktikabel»
Den Vorschlag, in der Hochgeschwindigkeitskurve zur Entschärfung
eine Schikane einzubauen, bezeichnete der Verband aus verschiedenen Gründen
als nicht praktikabel. Man könne sich leicht die Reaktion eines amerikanischen
Gerichtes vorstellen, falls es einen Unfall gegeben und die FIA ihre eigenen
Regeln und Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten hätte.
Quelle: Netzeitung
Formel 1