Jürgen Weiss vor Alois Höller Butschell - - Foto: Martin ButschellIn Melk geht es am 23./24. April um wichtige Punkte in der österreichischen Rallycross- und in der FIA Zonenmeisterschaft. Am Sonntag soll ein sensationeller Show-Act für Aufsehen sorgen. Freude über ein Rekord-Nennergebnis. 

Noch eine Woche bis zum großen Motorsportspektakel in Niederösterreich. Am 23./ 24. April wird auf dem Wachauring in Melk der zweite Lauf in der österreichischen Rallycross Meisterschaft ausgetragen. Die Veranstaltung zählt aber auch zur Zentraleuropäischen Zonenmeisterschaft der FIA 2016.

Der Veranstalter Leru Team 2 Motorsportclub darf sich heute schon über ein Rekord- Nennergebnis freuen, rund 100 Piloten haben ihre Teilnahme angekündigt. Dementsprechend wird auch mit großem Publikumsandrang gerechnet. Was nicht nur das Herz des Veranstalters höher schlagen lässt, sondern auch das der Sponsoren. Dazu AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzende Markus Wieser: „Unser Credo lautet  ,Wir bewegen Niederösterreich‘. Und das trifft auch auf das Rallycross in Melk ganz besonders zu. Die Veranstaltung hat sich erneut als echter Renner erwiesen, wie der Andrang deutlich zeigt. Also profitiert natürlich auch die ganze Region davon. Die ZuseherInnen indes geben in der Arbeit und im Betrieb stets ihr Bestes, sie haben sich daher einen willkommenen  Ausgleich in der Freizeit mehr als verdient. Wir sind daher gerne mit dabei. Denn wir sind dort, wo die Menschen sind.“ Max Pucher<br>Foto: Leopold FreistätterMax Pucher
Foto: Leopold Freistätter


Medientechnisch hat sich ebenfalls ein Großaufgebot angesagt, wofür neben der sportlichen Wertigkeit auch das sensationelle Show-Programm verantwortlich ist, das am Sonntag auf die Zuschauer wartet. „High Noon“ heißt es am 24. April um 12.15 Uhr, wenn sich der dreifache Rallycross-Europameister Franz Wurz der Herausforderung seines Sohnes Alexander Wurz stellt. Anlässlich des bevorstehenden 70. Geburtstags und des 40.Jahrestags seit dem letzten EM-Titel zündet Franz Wurz noch einmal den legendären Lancia Stratos, mit dem er damals seine großen Erfolge feiern konnte. Der Bolide wurde in den letzten drei Jahren in der PS-Küche von Rolf Schmidt total revidiert und präsentiert sich nunmehr in einem optischen und mechanischen Zustand, der schon bei der letztwöchigen Präsentation in Teesdorf Begeisterungsstürme hervorrief. „Das ist einfach ein geiles Auto. Ich bin hin und weg, wie toll er ausschaut und kann es gar nicht mehr erwarten, wieder da


drin zu sitzen“, freute sich Franz Wurz über das Wiedersehen mit der runderneuerten 320-PS-Bestie. Auch Alexander Wurz, der den Stratos vom früheren Europameister Andy Bentza erworben und ihn somit wieder in wurz’schen Familienbesitz gebracht hat, war fasziniert. „Ich kann mich gar nicht satt sehen, bin sehr stolz und freue mich, dass ich damit meinem Vater einen Herzenswunsch erfüllen konnte.“ Gleichzeitig schickt er jedoch auch eine Warnung aus. „Beim Rennen selber wird es aber keine Geschenke mehr geben.“ PS-technisch ist der 40-jährige Ex-Formel-1-Pilot und zweimalige Le-Mans-Sieger dabei zwar unterlegen – sein Toyota GT 86 CS R3 ist ein reinrassiger Rallyebolide und leistet 232 PS –, die Jugend und rennfahrerische Frische sollten aber einiges wettmachen. Auf jeden Fall wartet auf die Fans ein Generationen-Fight, der auch international für Aufsehen sorgt.

Im zweiten Show-Duell trifft der aktuelle österreichische Rallycross-Champion Max Pucher auf das österreichischen Ski-Ass Joachim Puchner. Beide werden in einem VW Polo 1600 gegeneinander antreten. Der ÖSV-Athlet wurde dafür von Ex-Staatsmeister Jürgen Weiss professionell instruiert und wusste schon in den Testfahrten mit enormer Reaktionsschnelligkeit und furchtlosem Gasfuß zu überzeugen. „Ich sehe mich natürlich in der Außenseiterrolle“, sagt der Salzburger, „aber das heißt nicht, dass ich nicht gewinnen will. Und  dafür werde ich alles geben.“ Übrigens Joachim erhält noch eine spezielle Unterstützung. In Melk dabei ist seine erfolgreiche Schwester Mirjam Puchner, die zuletzt bei der Damenabfahrt in St. Moritz ihren ersten Skiweltcupsieg feiern konnte.  Max Pucher zeigt sich aber vorsichtig optimistisch: „Schau´n wir mal. Der Polo ist ein Fronttriebler, ich bin aber ein Allrad-Fahrer, also ist’s ein bissel ungewohnt aber ich bin zuversichtlich.“

Konzentrationsmäßig ist Pucher naturgemäß eher beim sportlichen Teil des Events angesiedelt. Immerhin stehen für ihn wertvolle Punkte sowohl in der österreichischen Meisterschaft als auch in der FIA Zonenmeisterschaft auf dem Spiel. Nach dem ersten ÖM-Lauf auf dem Slovakiaring liegt Pucher ebenso auf dem zweiten Gesamtrang wie nach bisher zwei FIA-Zonen-Läufen (auf dem Slovakiaring und im ungarischen Mariapocs). Dass insbesondere mit den zwei Ungarn Janko Wieszt (Skoda Fabia) und Lukacs Kornel (Ford Focus), in Insider-Kreisen besser bekannt unter dem Pseudonym Csucsu, heuer unglaublich starke Konkurrenten in Melk am Start stehen, macht die Aufgabe für den 63-jährigen Niederösterreicher nicht einfacher. Aber, so Pucher: „In Melk fühle ich mich wohl. Hier habe ich letztes Jahr gewonnen, das nehme ich als ,Aufputschmittel‘ mit. Außerdem kann ich auf dem Wachauring erstmals unseren  2016er-Ford Fiesta zum Einsatz bringen. Ich will zumindest auf dem Podest stehen.“

Für Brisanz ist auch innerösterreichisch gesorgt, weil natürlich u. a. Puchers „Intimfeind“ Alois Höller seinem Staatsmeister-Nachfolger in die Suppe spucken möchte. Der Schwierigkeit dieser Aufgabe ist sich der Oberösterreicher jedoch bewusst. „ Es ist für mich nicht einfach, gegen ein WM-Auto wie es Max Pucher fährt anzukämpfen. Aber nichts ist unmöglich. Wenn man etwas Glück hat, kann man solche Autos auch schlagen, rein fahrerisch traue ich mir das sicher zu. Nachdem es beim ersten Rennen in der Slowakei überhaupt nicht gelaufen ist, haben wir jetzt vor Melk alle Halbachsen bei meinem Ford Focus ausgetauscht, um auf Nummer sicher zu gehen. Schließlich ist es mein Ziel, zumindest einen Podestplatz zu erreichen.“

Einer, der ebenfalls mit einem Spitzenplatz spekuliert, ist Jürgen Weiß: Der Mitfavorit im Ford Focus hat gute Erinnerungen an den Wachauring: „Für mich bedeutet dieses Rennen das absolute Saisonhighlight. In Melk habe ich schon dreimal gewonnen, dementsprechend hoch ist meine Zielvorstellung. Obwohl die Konkurrenz diesmal besonders stark ist, möchte ich mir einen Platz auf dem Podium sichern. Das bin ich nicht nur mir, sondern auch meinem Team, meinen Fans und meinen Sponsoren schuldig.“

Neben den Supercars wird aber auch in einigen anderen Klassen um Siege und Punkte für die Meisterschaft gefahren:
In der Super-1600-Klasse dürfen sich die Fans auf Länderkampf-Atmosphäre einstimmen. Hier jagt das rotweißrote Quartett Hans Peter Freinberger (Peugeot 206), Mario  Petrakovits (VW Polo), Werner Panhauser (Citroen C2) und Markus Hausberger (Skoda Fabia) die starken David Gerencser (Suzuki Swift) aus Ungarn und Josef Susta (Skoda Fabia) aus Tschechien.    

Bei den Super Touring Cars +2000 ccm ist der in der Staatsmeisterschaft führende Oliver Gruber aus Niederösterreich der Gejagte. Dem Ford-Sierra-Piloten sitzen mit nur einem Punkt Rückstand dessen Landsmann Patrick Breiteneder (BMW M3) und der Slowake Miroslav Pospichal (VW Polo TDI) im Nacken. Mit den beiden Ungarn Tibor Tajmel (BMW E36) und Zsolt Csendes (Opel Ascona) sowie dem Österreicher Karl Schadenhofer im VW Golf stehen u. a. weitere schnelle Verfolger in Melk am Start. Mit Brigitte Schmalzl (Mercedes 190) gibt hier auch eine Dame Gas.

In der Wertung der Super Touring Cars bis 2000 ccm heißt der Spitzenreiter Roman Castoral (Opel Astra) aus Tschechien. Hier wird unter neun heimischen Piloten vor allem der Niederösterreicher Heinz Glinz (Renault Clio) versuchen,  den Favoriten ins Wanken zu bringen.

Chancen auf einen Spitzenplatz bei den Super Touring Cars bis 1600 ccm dürfen sich die Österreicher Erwin Frieszl (Peugeot 206) Stefan Pfeiffer (Mazda 323) oder Thomas Mühlbacher (Toyota Corolla) ausrechnen. Einziger Ausländer im Feld ist hier der Deutsche Heiko Paries im Mini Cooper. Die einzige Dame kommt aus Österreich, heißt Birgit Kuttner und lenkt einen Honda Civic.

Last but not least kommt noch das Feld der National-1600- bzw. National-1600-CZ-Klasse. Diese feiert in Melk ihren Saisonstart und umfasst mit über 30 Nennungen die meisten Piloten. Allein 28 davon kommen aus Österreich, darunter stehen mit Martina Huber, Romina Fritz (beide Honda Civic), Nina Spitaler (Mini Cooper) und Jacqueline Faissl (Renault Mègane) auch vier Damen. Die flinke Steirerin Romina Fritz, im Vorjahr Meisterschaftszweite, darf sich sogar Siegchancen ausrechnen, zumal der Meister des letzten Jahres Sven Förster wegen seines Auslandsstudiums in Finnland heuer fehlt.

Fotos: Martin Butschell, Leopold Freistätter

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