Simon Wagner - Schneebergland-Rallye 2015 - Foto: Martin Butschell/Agentur Autosport.at
Zwei Jungpiloten, zwei Premieren bei der Schneerosen-Rallye: Simon Wagner bei seinem ersten Einsatz im modernen R2-Boliden als bester 2wd-Pilot grandioser Gesamt-Fünfter. Julian bei seiner allerersten Rallye im unterlegenen R1 auf dem beeindruckenden 20. Platz.

Erkenntnis: Wenn der Grundspeed und das Umfeld passen, ist vieles möglich…

Wer im Rahmen der Schneerosen-Rallye bei den Wagners vorbeischaute, konnte dort nicht nur die Sonnenbrillenkollektion des neuen Partners EXCAPE bestaunen, sondern auch spüren: Hier wird gerade ein neues Kapitel in der Geschichte der beiden Rennfahrer-Brüder Simon und Julian geschrieben. Beide standen beim Auftakt zur Austrian Rallye Challenge vor einer großen Premiere: Simon, der in älteren Rallyeautos bislang bereits mehrmals bei seinem Heimevent, der Jännerrallye, aufhorchen ließ und sich 2013 gar zum ARC-Champion krönen konnte, fuhr bei der Schneerosen-Rallye zum ersten Mal mit einem modernen Rallyeboliden. Und Julian, der sich im Vorjahr bei der Wahl zum „Ford Racing Rookie“ gegen 400 Mitbewerber durchsetzen konnte, fuhr überhaupt seine allererste Rallye.

Wagner-Premieren bei Schneerosen-Rallye - Foto: Martin Butschell/Agentur Autosport.atVon einem „Premierenfieber“ konnte jedoch keine Rede sein – die beiden Jungtalente bereiteten sich vielmehr in aller Ruhe und ziemlich unaufgeregt auf ihre neuen Aufgaben vor. Möglich machte das auch das professionelle Umfeld, für das die Einsatzteams von Wolfgang Schmollngruber und das tschechische Sparrow Racing Team sorgten.

Simon bereit für die „Mission 2wd-ÖM“
Zwar war die Schneerosen-Rallye für Simon Wagner bloß ein Test, um sich auf die kommenden Einsätze in der 2wd-Staatsmeisterschaft vorzubereiten – dennoch war es für den 22-Jährigen der erste Kontakt mit jenem Peugeot 208 R2, mit dem er heuer „das Rallyefahren so richtig erlernen“ möchte. Dass der moderne Bolide prinzipiell eine ganz andere Technik aufweist, war Simon natürlich schon im Vorfeld klar. Als er dann jedoch die ersten beiden Sonderprüfungen absolviert hatte, musste er schon feststellen: „Das ist wirklich ganz anders! Allein die Geräuschkulisse: Beim Mazda lagen die Drehzahlen bei 4.000 Umdrehungen pro Minute, im Peugeot drehst du bis zu 8.250 U/min. Der R2 ist wirklich ganz anders zu fahren, als es mit dem Turbo-Mitsubishi oder dem Mazda der Fall war. Das Fahrwerk ist ein Wahnsinn, das bügelt alle Bodenwellen weg. Zwar hat der R2 nur 185 PS, doch Motorleistung ist eben nicht alles – sehr wichtig ist die Abstimmung des Chassis und natürlich kommt mir beim ‚runden Fahren‘ auch meine langjährige Erfahrung im Kartsport zugute. Dass der Unterschied zwischen den Turbo-Allradlern und dem R2 dermaßen groß ist, habe ich ganz ehrlich nicht erwartet. “

Wirklich lange hat Simon jedoch nicht gebraucht, um sich auf den neuen Boliden einzuschießen: Schon auf SP3 konnte er mit der viertschnellsten Gesamtzeit aufhorchen lassen – am Nachmittag sorgte er auf der vorletzten Prüfung mit der drittschnellsten Zeit für eine weiteres Aha-Erlebnis, letztendlich landete Simon Wagner auf dem grandiosen fünften Gesamtrang, was doch für Staunen sorgte, so konnte Wagner auch den etablierten Tschechen Patrik Rujbr im deutlich stärkeren Renault Clio R3 klar hinter sich lassen.

Auch Simon selbst zeigte sich hernach überrascht: „Das Ergebnis war besser als ich es erwartet habe – ich habe wirklich nicht gedacht, dass wir so weit vorne landen werden. Ich konnte mich immer besser auf das neue Fahrzeug einstellen, aber die drittschnellste Gesamtzeit auf der vorletzten Prüfung war schon ein Wahnsinn, das hätte ich nicht gedacht. Alles in allem war es ein perfekter Test für unseren ersten Einsatz in der 2wd-ÖM im Rebenland.“

Auch mit dem tschechischen Sparrow Racing Team war es die erste Zusammenarbeit, Simon war rundum begeistert: „Ich habe beim Erstellen des Setups und in punkto Reifenwahl sehr viel lernen können – wir sind perfekt vorbereitet für die Rebenland-Rallye.“

Simon brachte den R2 ohne einen einzigen Kratzer wieder zurück von den neun Sonderprüfungen – was eine gewisse Reife zeigt. Vater Friedrich sagt: „Einen ‚jugendlichen Leichtsinn‘ kann ich bei Simon überhaupt nicht mehr feststellen, der ist völlig verschwunden. Ich habe dein Eindruck: Simon will jetzt einfach nur noch seinen Weg gehen, er will im Rallyesport Fuß fassen, das wollte er immer schon und jetzt merkt er, dass es möglich ist.“

„Die Copiloten sind die Chefs“
Einen großen Beitrag zu diesem erfolgreichen Premiereneinsatz leistete sicher auch Ursula Mayerhofer. Simon erklärt: „Ich möchte mich bei Ursula bedanken, die einfach perfekt arbeitet.“ Die Stammcopilotin von ÖM-Pilot Mario Saibel sprang für den verhinderten Fred Winklhofer ein, der heuer an der Seite von Simon die „Mission 2wd-ÖM“ bestreiten wird.

Dieser saß an der Seite von Julian Wagner und trägt mit Sicherheit großen Anteil daran, dass der jüngere der beiden Wagner-Brüder eine höchst erfolgreiche Rallyepremiere geben konnte. Friedrich Wagner sagt dazu: „Man sollte einmal prinzipiell die Rolle des Copiloten beleuchten – denn in Wahrheit haben sie die Hosen an! Es ist eine echte Freude, zwei gestandene Profis wie Ursula Mayerhofer und Fred Winklhofer bei der Arbeit zu beobachten. Sie sind wahre Manager, haben stets das Ganze im Auge und können die Piloten auch mit kleinen Gesten dirigieren. Dass sich ein ‚alter Fuchs‘ wie Fred zu einem Jungspund wie Julian ins Auto setzt, ist, so glaube ich, alles andere als selbstverständlich und das ringt mir größten Respekt ab. Fred hat mit seiner Professionalität jene Ruhe ins Cockpit gebracht, die für Julian wichtig war, um sich als Pilot entfalten zu können.“

Julian hat „Rallyeblut“ geleckt
Im Ford Fiesta R1 begab sich Julian auf seine allererste Rallye. Am Vormittag noch etwas verhalten, mit dem nötigen Respekt – am Nachmittag dann deutlich schneller: „Da habe ich eine andere Reifenwahl getroffen und der Wagen hat genau das gemacht, was ich haben wollte.“ So konnte Julian auf SP8 sogar Gesamtrang 17 erzielen, letztendlich beendete er die Rallye in dem unterlegenen R1-Fahrzeug auf dem sehr guten 20. Gesamtrang – in seiner Klasse belegt er damit Platz zwei. Julian meinte: „Ich habe nie im Leben erwartet, dass wir so weit vorne landen werden – wir sind ja völlig ohne Erwartungen an diese Rallye herangegangen, das Lernen stand im Vordergrund.“

Zum Lernen gehört bekanntlich auch das vielzitierte „Lehrgeld“ – ganz blieb auch Julian Wagner davon nicht verschont, auf der letzten Prüfung ist er mit einem Strohballen kollidiert. Julian gibt offen zu: „Das hat mich sehr geärgert und ärgert mich auch heute noch. Sicher gehört auch das zum Rallyesport, doch nötig wäre es nicht gewesen. Okay, passieren kann immer etwas und es sind schließlich nur kleine Schäden am Auto entstanden, die wir locker reparieren können. Ansonsten bin ich aber voll zufrieden mit meiner ersten Rallye – ich bin mit dem Auto gut klargekommen, das Fahrwerk des Fiesta ist wirklich großartig. Und Fred war als Copilot eine immens große Hilfe.“

Wie auch bei Simon hat die erste Rallye ein Umdenken bei Julian bewirkt: „Ich denke überhaupt nicht mehr an den Kartsport und möchte unbedingt weiter Rallyes fahren. Wir müssen jetzt schon schauen, dass wir auch für nächstes Jahr ein Projekt auf die Beine stellen können. Ich weiß, dass sich viele Racing Rookies schwer tun, ein zweites Jahr zu finanzieren – das soll bei uns keinesfalls so sein. Denn ich habe wirklich Blut geleckt, ich möchte künftig noch viele Rallyes absolvieren!“

Daher sei auch noch einmal auf die Crowdfunding-Aktion von Julian auf der Seite „I believe in you“ hingewiesen – auf dieser neuen Plattform können Sportler ihre Projekte vorstellen, ihre Fans haben die Möglichkeit, mit kleinen oder größeren Beträgen ihre Helden zu unterstützen.

Fotos: Martin Butschell/Agentur Autosport.at

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