• Langes Auto, kurze Rallye
P wie Pech – so könnte man den Saisonstart von Ing. Michael Pap und Alexandra Auer-Kaller kurz und treffend charakterisieren. Die Bemühungen waren da, aber die Haltbarkeit des aktuell in den Volvo 940 eingebauten Getriebes zeigte sich von einer extrem schlechten Seite, sodaß die erste gefahrene Prüfung, die noch mit viel Krampf zu Ende gebracht worden war, zugleich auch die letzte war. K.o. in der ersten Runde, würde man in der Boxersprache sagen.

Eine völlig neue Erfahrung für den Maschinenbau-Ingenieur, der bisher eine vorbildliche Zuverlässigkeitsquote hatte. Sein letzter Ausfall fällt noch in seine Zeit als Copilot von Martin Schenk, selber konnte er jede gefahrene Rallye beenden. Angesichts dieser goldenen Serie erscheint dieses viel zu frühe Ende zum neuen Saisonstart völlig unlogisch, aber irgendwann ist bekanntlich immer das erste Mal.

Ausnahmen gibt es offenbar auch bei den Volvo-Getrieben, denen man generell nachsagt, dass sie die Festigkeit von Lastwagen-Getrieben hätten: Hier hatte das Unglück schon bei der letzten technischen Überprüfung vor der Rallye seinen Lauf genommen, als der Volvo 940 eigentlich wegen einer völlig anderen technischen Störung auf der Hebebühne stand. Zunächst sollten lediglich routinemäßig die Bremsen entlüftet werden, doch dann ließ sich der Motor nicht starten. Nach langem Suchen und dem Austauschen möglicher Fehlerquellen wie der Steuerungselektronik und der Benzinzufuhr wäre fast wieder alles in Ordnung gewesen, aber dann hatte es Michael Pap zu gut gemeint mit seiner Sorgfalt, denn nachdem ihm eingefallen war, welche Schwierigkeiten er bei der Waldviertel-Rallye mit dem dritten Gang hatte, tauschte er auch gleich das Getriebe. Doch anstatt dass die Probleme damit beseitigt gewesen wären, begannen sie jetzt erst richtig.

Davon ahnten Michael Pap und Alexandra Auer-Kaller noch nichts, als sie in die erste Prüfung der Triestingtal-Rallye starteten. Ein wenig mit dem neuen Fahrwerk und der hydraulischen Handbremse experimentieren, ein wenig herausfinden, was ergebnismäßig möglich ist – das wäre der Plan gewesen. Doch der war von Anfang an geplatzt – mehr oder weniger. Schon beim ersten Hochschalten in den dritten Gang war dieser gar nicht mehr vorhanden, und bis zum Ende der Prüfung gab es eigentlich nur noch Schwierigkeiten. Ein konzentriertes Fahren war kaum noch möglich, eigentlich eine klassische Situation, bei der man befürchten muß, dass man nur noch auf dem letzten Platz zu liegen kommt. So arg war’s dann doch nicht, Michael Pap und Alexandra Auer-Kaller schafften es noch als 68. von immerhin 73 Wagenteams, die die brutal harte erste Prüfung beendeten. Auch zwei Volvo-KollegInnen konnten geschlagen werden.

Damit war an sich schon alles zu Ende – für’s Erste: Das Getriebe wurde unerträglich laut, eine Lösung schien nicht in Sicht, und angesichts der vielen Kilometer, die noch bevorstanden, wurde der Volvo 940 auf den Anhänger gestellt: Aktion abgebrochen.

Es hätte natürlich auch schlimmer kommen können: Ein Ende à la Dr. Sommer oder Mag. Putz (zusammengestauchte Karosserien da wie dort) wäre in jedem Fall unangenehmer gewesen. Offensichtlich hatte es diese Rallye vor allem mit den Teilnehmern mit akademischen Graden nicht gut gemeint – zumindest innerhalb der Volvo-Truppe. Auch das Getriebeleiden mit dieser offenbar ganz speziellen Konstruktion scheint nicht so neu zu sein. Das Resümee eines ebenfalls Volvo-erfahrenen Schweden: With the M47-gearbox and the 3rd gear you need to have luck. Das Unglück hat einen Namen bekommen...

Aber nach der Rallye ist bekanntlich auch immer vor der Rallye, und das ist in einem solchen Fall immer besonders tröstlich. Bis zur Mühlviertel-Rallye im Juli – die steht als Nächstes auf dem Programm – bleibt zumindest genügend Zeit, um dem Volvo ein gesundes Getriebe-Organ zu spendieren. Auch Verbesserungen an der Motorleistung sind angedacht – für die schnelle Asphalt-Rallye sicher kein Nachteil. Und weil er den Volvo doch auch ganz gern auf Schotter ausprobieren möchte, wozu er bei der Triestingtal-Rallye kaum wirklich eine Gelegenheit gehabt hatte, ist auch ein Start von Michael Pap beim BRK-Rallyesprint bei Bruck an der Leitha nicht auszuschließen.

P wie Panzer – diesen Ruf gilt es wieder herzustellen...

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