Facebook
- Die erfolgreiche Karriere des Michelin Motorsport-Direktors
- Die Karriere von Pierre Dupasquier in Zahlen
Pierre Dupasquier – der Architekt des Erfolges sagt „au revoir“

Eine Karriere wie aus einem Heldenroman: Nach 32 Jahren an der Spitze der Michelin Motorsportabteilung geht Pierre Dupasquier am Ende der Saison 2005 in den wohl verdienten Ruhestand. In den vergangenen drei Jahrzehnten zeichnete der charismatische Franzose für rund 1.300 Siege und mehr als 180 WM-Titel in den unterschiedlichsten Disziplinen verantwortlich.

Klein von Gestalt, aber ein Riese in der Welt des Motorsports: Wer Pierre Dupasquier jemals live erlebt hat, dem konnte nicht entgehen, dass diesem Mann das sprichwörtliche Benzin in den Adern fließt. Als Michelin Motorsport-Direktor kümmerte sich der Franzose stets akribisch um jedes scheinbar noch so kleine Detail. Vor allem auch aufgrund seiner Einsatzbereitschaft und seines sportlichen Ehrgeizes verhalfen die Reifenspezialisten aus Clermont-Ferrand in den vergangenen rund drei Jahrzehnten ihren Partnern auf nahezu allen erstklassigen Bühnen der internationalen Motorsports zu zahllosen Erfolgen.

Nach seiner Zeit als Pilot bei der französischen Luftwaffe verbrachte Pierre Dupasquier sein gesamtes Arbeitsleben bei Michelin. Mittlerweile ist der inzwischen 68-Jährige als Wahrzeichen des Reifenspezialisten in der Motorsportwelt fast so bekannt wie das weltberühmte „Bibendum“. 1962 begann Dupasquier seine Karriere in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Elf Jahre später stieg er zum Leiter der damals noch kleinen Michelin Motorsportabteilung auf, an deren Gründung er maßgeblich beteiligt war. „Bereits Anfang der 60er Jahre fand sich eine kleine Gruppe von Ingenieuren, die das Potenzial des von uns entwickelten Radial-Konzepts unter extremen Bedingungen erforschen wollten“, erinnert sich Dupasquier. „Eine Anfrage von Citroën und wenig später von Alpine, sie bei ihrem Rallye-Engagement und nachher auch in Le Mans zu unterstützen, kam da wie gerufen.“

Die ersten Erfolge stellten sich unmittelbar ein. Gemeinsam mit Alpine-Renault sicherte sich Michelin 1973 den Titel in der erstmals ausgeschriebenen Rallye-Markenweltmeisterschaft. Zudem zeigten sich die Mitglieder der Abteilung „Competition“ in ihrer ersten Saison bereits reif für die Insel: Der Australier Jack Findley gewann mit seiner Michelin-bereiften Suzuki die legendäre Senior Trophy auf der Isle of Man - die ersten Kapitel einer beispiellosen Erfolgsstory waren geschrieben.

Unter Dupasquiers Ägide reihte sich Erfolg an Erfolg
Bis heute konnte der drahtige Macher insgesamt 1.300 Siege von Michelin-Piloten feiern. Diese führten zu mehr als 180 WM-Titeln - darunter allein 47 im Motorrad-Grand Prix-Sport, 38 in der Rallye-Weltmeisterschaft und sieben in der Formel 1. Dupasquiers Erfolgsgeheimnis spiegelt dabei die zwei Seiten des quirligen Franzosen wider: Als besonnener Analytiker und unerbittlicher Antreiber zugleich forderte er jedem einzelnen Mitglied seines Teams stets Höchstleistungen ab. Man könnte fast sagen: Er führte die Michelin Motorsportabteilung mit einer eisernen Hand, die in einem Samthandschuh steckte. Dabei verlor Dupasquier bei allem sportlichen Ehrgeiz niemals seinen außerordentlichen Sinn für Humor.

Gerade wegen seiner stets unverblümten, oftmals pointierten und manchmal sogar schroff ausfallenden Statements war der Michelin Motorsport-Direktor bei den internationalen Medienvertretern immer ein gern gesehener Gesprächspartner. In einer Beziehung jedoch verstand Dupasquier überhaupt keinen Spaß: Bei ungerechtfertigter Kritik an seiner Mannschaft verfinsterte sich die wettergegerbte Miene des Familienvaters. Dupasquier stellte sich stets vor sein Team, denn er wusste, dass seine Mitarbeiter immer das technisch und menschlich Mögliche leisteten und sich deshalb keine Vorwürfe gefallen lassen mussten. Dazu trug nicht zuletzt auch die Erwartungshaltung ihres Chefs bei. Egal ob nach einem Sieg, einem Podestplatz oder einem anderen Resultat - Dupasquiers Fazit eines Rennwochenendes ließ sich praktisch immer auf die gleiche Aussage zusammenfassen: „Dieses Ergebnis motiviert das gesamte Team, härter zu arbeiten, um beim nächsten Mal noch besser abzuschneiden.“

Auch bei den Fahrern und Teams war Dupasquier mit seiner offenen und ehrlichen Art immer gern gesehen. „Wir versuchen stets, ihnen einen fehlerlosen Service zu bieten, und haben für ihre Anliegen immer ein offenes Ohr“, beschreibt der scheidende Motorsport-Direktor sein Erfolgsgeheimnis. „Gleichzeitig garantiert Michelin all seinen Partnern, niemanden bevorzugt zu behandeln. Jeder kann auf das gleiche Know-how von uns zurückgreifen.“ Diese Philosophie kommt an, wie Dupasquier anhand eines Beispiels verdeutlicht: „Bei unserem Engagement in der Formel 1 waren es immer unsere Partner, die uns um eine Zusammenarbeit baten - nicht umgekehrt.“

Dupasquier scheute auch vor den größten Herausforderungen nicht zurück
1977 trat Michelin erstmals in der Formel 1 an - nicht nur, um sportliche Erfolge zu erzielen, sondern auch um mit technischen Innovationen zu glänzen. Die Reifenexperten führten daher den Radialreifen in die Königsklasse ein und feierten nur ein halbes Jahr nach ihrem Einstieg den ersten Grand Prix-Sieg: Carlos Reutemann gewann mit seinem Michelin-bereiften Ferrari am 29. Januar 1978 den Großen Preis von Brasilien. Bereits in der folgenden Saison feierte Michelin mit Jody Scheckter und Ferrari die ersten beiden WM-Titel in der Formel 1.

Von 1973 bis 1984 und - nach sechs Jahren als Michelin Projektleiter in Amerika - von 1990 bis heute stand Pierre Dupasquier der Rennsportabteilung vor. Während dieser Zeit nahmen die Reifenexperten alle erdenklichen motorsportlichen Herausforderungen an. So trumpfte Michelin in der afrikanischen Wüste (20 Gesamtsiege bei der „Dakar“) ebenso groß auf wie auf den Formel 1-Kursen dieser Welt (93 Siege, 100 Pole Positions, 100 schnellste Rennrunden) oder beim berühmtesten Langstreckenrennen der Welt in Le Mans, bei dem die Franzosen bislang 13 Mal den Gesamtsieger ausrüsteten.

Der wahrscheinlich größten sportlichen Herausforderung seiner Karriere stellte sich Dupasquier nach seiner Rückkehr aus den USA: dem Wiedereinstieg von Michelin in die Formel 1. Auf dieses Projekt bereitete er sich gewohnt akribisch vor. Bereits 1995 richtete er eine höchst geheime Forschungsgruppe ein, die für Entwicklungszwecke Reifen nach dem jeweils gültigen Grand Prix-Reglement entwickelte. Im Dezember 1999 war es dann soweit: Michelin verkündete zur Saison 2001 den erneuten Einstieg in die höchste Motorsport-Liga. Die Entscheidung fiel nicht zuletzt auf Betreiben des erfahrenen Sportchefs, der immer auch analysierte, in welcher Form ein Motorsport-Engagement das Image eines der weltweit größten Reifenkonzerne positiv beeinflussen kann.

Als begeisterter Motorradfahrer - Dupasquier verbringt praktisch jede freie Minute auf einem seiner vielen Bikes - galt sein besonderes persönliches Interesse seit jeher dem Zweiradsport. In der Anfangsphase der Michelin Motorsportabteilung legte der Chef bei der Entwicklung der Motorrad-Rennpneus sogar noch selber Hand an. Dank seines Engagements zählte Michelin auch im Motorradsport in den vergangenen Jahrzehnten zu den regelmäßigen Sieg- und Titelanwärtern - sei es in der MotoGP, bei den Superbikes, der „Dakar“, dem „Bol d'Or“, im Motocross oder beim Trial.

Ab der kommenden Saison übernimmt Frédéric Henry-Biabaud, seit Beginn der Saison 2003 bereits als stellvertretender Motorsport-Direktor tätig, die Führung der Wettbewerbs-Division. Dass Pierre Dupasquier dann eher ein Unruhestand bevorsteht, darf angenommen werden: Nicht nur die zwei- und vierrädrigen Fortbewegungsmittel in der Garage des USA-Fans lassen auf eine ausgesprochen bewegte Freizeitgestaltung schließen. Gemeinsam mit seinem älteren Sohn Yves will der Haudegen die Südspitze Afrikas im Segelboot umrunden. (Fotos: Michelin)


Statistik

Die Karriere von Pierre Dupasquier in Zahlen.
Als Michelin Motorsport-Direktor feierte der Franzose rund 1.300 Siege, darunter:
93 in der Formel 1
176 in der Rallye-Weltmeisterschaft
57 bei der „Dakar“ (20 in der Auto-, 18 in der Motorrad- und 19 in der Lkw-Wertung)
119 im Cross Country Rally World Cup
13 bei den 24 Stunden von Le Mans
534 im Motorrad-Grand Prix-Sport (alle Klassen)
233 bei den Superbikes

Hinzu kamen mehr als 180 WM-Titel, darunter:
7 in der Formel 1 (4 Fahrer-, 3 Konstrukteurstitel)
38 in der Rallye-WM (20 Marken-, 18 Fahrertitel)
19 im Cross Country Rally World Cup
47 im Motorrad-Grand Prix-Sport (alle Klassen)
11 bei den Superbikes
7 im Motorrad-Endurance-Sport

Copyright © 1998 - 2024 Agentur Autosport.at 
Der Inhalt dieser Seite mit allen Unterseiten unterliegt, soweit nicht anders vermerkt, dem Copyright der Agentur Autosport.at. Texte, Bilder, Grafiken sowie alle weiteren Inhalte dieser Seite dürfen, weder im Ganzen noch teilweise, ohne unsere vorherige schriftliche Zustimmung vervielfältigt, verändert, weitergeleitet, lizenziert oder veröffentlicht werden.


Impressum - Datenschutz - Cookie Policy

Zum Seitenanfang