Die 20. AvD Histo-Monte ist gestartet - Foto: Torsten Spiess/agentur Autosport.atPech und Pannen begleiteten den ersten Tag der 20. AvD-Histo-Monte. Aber die erste Etappe war beileibe keine Pleite, Sonnenschein in den Weinbergen von Rheinhessen und verschneite Wälder im Schwarzwald warteten auf alle 80 Teilnehmer, die das Ziel erreichten.

Die Domglocke hatte noch nicht neun geschlagen, da hätten die ersten Teams schon höheren Beistand benötigt. Der Fiat 124 Abarth von Dirk Lührmann und Sabine Rose-Lührmann streikte mit defektem Zündschloss. Dank göttlicher Eingebung ließ sich der Fehler lokalisieren und beheben. Die 33 eilte dem Feld hinterher. Der Mini von Reinhard Lambert und Edita Grundwald sprang auf dem Domplatz zwar an, spuckte aber Benzin und ließ sich auf die Schnelle nicht reparieren. „Es bringt nichts, den Motor sauber zu fahren“, sagte Lambert. Aber die Startnummer wollte er so schnell nicht aufgeben. Ein Freund brachte spontan Ersatz aus Regensburg. Lambert und Grundwald mussten zwar für den ersten Tag die Segel streichen, gehen aber am Freitag mit einem Porsche auf die zweite Etappe.

Die BMC-Fraktion hatte irgendwie die Seuche. Auch der zweite rote Mini von Heinrich Resch und Jürgen Schwarz blieb liegen. Ein defektes Heizungsventil ließ das Kühlwasser entweichen. Auch der die Rallye begleitende AvD-Pannendienst konnte die Panne nicht beheben. Ein Clubkamerad aus Bad Kreuznach brachte das nötige Ersatzteil, so dass die Startnummer 34 zumindest aus eigener Kraft das Etappenziel erreichte und die Rallye fortsetzen kann. Vielleicht liegt es an der Farbe: Der gelbe Mini des MSC Aachen mit Peter Caspar-Bours und Heinz-Werner Schorn erfreute sich bester Gesundheit.

Aber die Technik bröckelte nicht nur bei den Briten. Der weiße Mercedes 280 SLC des Kölners Peter Lindemann war tapfer unter der Bewerbung „Die Gipfelstürmer“ genannt, aber jeder Bergsteiger weiß, dass der Abstieg in Wahrheit der schwierigere Part ist. Am Benz machten die Bremsen schlapp und erforderten einen Abstecher in die Werkstatt. Matthias Kahle & Bianca Leppert bei der Histo-Monte 2016 - Foto: Torsten Spiess/Agentur Autosport.atMatthias Kahle & Bianca Leppert bei der Histo-Monte 2016 - Foto: Torsten Spiess/Agentur Autosport.at Eine solche mussten auch Christian Köppen und Helge Osterdell am Abend aufsuchen. An ihrem BMW 2002 Tii versagte das Differenzial. Auch hier machte sich ein guter Geist aus Velbert mit Ersatz auf den Weg. Keine 40 Kilometer nach dem Start rumpelte an einem Abzweig ein Mercedes in die Fulvia von Manuel Roth. Zum Glück kam die schöne Italienerin mit einem leichten Heckschaden davon.

Die lange Pannenliste dominierte das Geschehen am ersten Tag, denn auf den Prüfungen ging wenig schief. Im Etappenziel mochte niemand zugeben, eine der sieben Gleichmäßigkeitsprüfungen vergeigt zu haben. Trotz eines anfangs muckenden Tripmasters rapportierte Vorjahressieger Dominik an der Heiden keine Probleme. Die Startnummer 1 muss sich allerdings nach einem Tag mit Rang neun zufrieden geben. Dank einer überragenden ersten Etappe liegen Vater und Sohn Theo und Christoph Wellmann mit nur 33 Strafpunkten in Führung.

Dass die Abweichungen sich sehr im Rahmen hielten, lag nicht zuletzt an den nahezu durchgehend trockenen Straßen. Mancher Teilnehmer vermisste zur Steigerung des Schwierigkeitsgrades Schnee auf den Pisten. Wenigstens waren an der Schwarzwaldhochstraße die Wälder verschneit. Die Streckenführung über die ersten 442 Kilometer bot ohnehin reichlich Hingucker. VIP-Starter Harri Toivonen machte seine Ankündigung wahr und zückte das ein oder andere Mal die Digitalkamera.

Schon eine halbe Stunde nach dem Start kämpfte sich die Sonne durch den Hochnebel und ließ die Weinberge der Rheinebene leuchten. Im Hof von Schloss Wachenheim hielten die 79 Teilnehmer zu einem Empfang der örtlichen Sektkellerei, selbstredend alkoholfrei. Durch finsteren Wald führte die Totenkopf-Prüfung, einer der berühmtesten Strecken der legendären Rallye Vorderpfalz. Die Teilnehmer kletterten am Kandel im Schwarzwald bis auf über 1200 Meter, wurden in Haslach im Kinzigtal mit Schwarzwälder Schinken und heißem Kaffee von Rallye-Sponsor Bott empfangen. Der Monegasse Rainer Brunotte Senior ist in Sachen Landschaft und Straßen einiges gewohnt, musste aber im Etappenziel unbedingt ein Kompliment loswerden: „War hatten ganz tolle Strecken.“

Auch Frantisek Dvorak genoss die Fahrt, war aber am Abend glücklich, mit seinem Skoda 1000 MB im Ziel zu sein. „Das war schon ein anstrengender Tag“, sagte der Tscheche. Wie das blühende Leben rollten dagegen Hermann Unold und Jürg Hügli ins Ziel. Ihr 53er Fiat 1100 ist zwar das älteste Auto im Feld, überstand die Etappe aber klaglos. Und Unold verkündete gar: „Wir sind noch belastbar. Ich bin 77 und könnte das Gleiche nochmal fahren.“

Auf den Spuren von Henri und Pauli – Harri Toivonen startet bei der AvD-Histo-Monte
Vor 50 Jahren gewann Pauli Toivonen die Rallye Monte Carlo, vor 30 Jahren triumphierte dessen Sohn Henri im Fürstentum. Jetzt schreibt Henris jüngerer Bruder die Geschichte seiner Familie fort. Harri Toivonen pilotiert einen Opel Kadett E GSi als Vorwagen bei der 20. AvD-Histo-Monte.

Harri Toivonen begleitet die Histo-Monte 2016 im Vip-Auto - Foto: Torsten Spiess/Agentur Autosport.atHarri Toivonen begleitet die Histo-Monte 2016 im Vip-Auto - Foto: Torsten Spiess/Agentur Autosport.atDer Name Toivonen taucht in der Siegerliste der Rallye Monte Carlo gleich zwei Mal auf. 1966 gewann Pauli Toivonen den Winter-Klassiker in den französischen Seealpen in einem Citroën DS21. 20 Jahre danach trat Paulis ältester Sohn Henri in die großen Fußstapfen des Vaters, als er im Gruppe-B-Monster namens Lancia Delta S4 als Erster in den Hafen von Monaco einlief. Dass Vater und Sohn die „Monte“ unabhängig voneinander gewinnen, ist bis heute ein Unikum in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Winter-Klassikers.

Zum runden Jubiläum dieses einzigartigen Ereignisses wird Harri Toivonen – selbst ein begnadeter Renn- und Rallyefahrer – auf den Spuren seines Vaters und Bruders wandeln. Der Finne fährt die komplette AvD-Histo-Monte 2016 von Mainz bis nach Monte Carlo mit. Auf dem Weg wird der 55-Jährige einige der Prüfungen unter die Räder nehmen, die bei der Rallye Monte Carlo 1966 bzw. 1986 befahren wurden – wie die Fahrt über den berühmten Col de Turini.

Mit Unterstützung von Opel Classic und dem Fahrwerksspezialisten H&R steuert Harri einen Opel Kadett E GSi, der früher als Trainingsauto in der Deutschen Rallye-Meisterschaft eingesetzt wurde. Als Hommage an seinen Bruder startet der 55-jährige Finne mit der Startnummer „VIP 7“ – diese Ziffer klebte 1986 auch auf dem Lancia Delta S4 seines Bruders. „Es ist eine große Ehre für mich, 50 Jahre nach dem Sieg von Pauli und 30 Jahre nach dem Sieg von Henri auf denselben Straßen bis nach Monte Carlo zu fahren“, erklärt Harri Toivonen. „Ich danke Opel Classic, H&R und den Organisatoren der AvD-Histo-Monte, dass sie mir diese Chance geben.“

Rallyeleiter Peter Göbel freut sich vor allem über das Flair, das der Stargast aus Finnland mitbringen wird. „Die AvD-Histo-Monte ist den früheren Sternfahrten der Rallye Monte Carlo nachempfunden. Für die Teilnehmer ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn sie die traditionellen Strecken unter die Räder nehmen. Dass wir jetzt mit Harri Toivonen jemanden dabei haben, der uns das Monte-Flair noch besser vermitteln kann, ist umso schöner. Ich bin mir sicher, dass Harri viele spannende Stories auf Lager hat.“

Die Geschichte der Toivonens ist geprägt von Höhen und Tiefen. Pauli Toivonen zählte zur ersten Generation der „fliegenden Finnen“ und feierte mit dem Gewinn der Europameisterschaft 1968 seinen größten Erfolg. Sein Sieg bei der Monte 1966 kam dagegen unter dubiosen Umständen zustande. Bei der Zielankunft in Monte Carlo lag der Senior nur auf Rang vier, doch dann wurden die drei Führenden wegen angeblich illegaler Lampen disqualifiziert. Pauli erbte den Sieg, weigerte sich aber, den Pokal anzunehmen.

Henri ging bei der RAC Rallye 1980 als bis dato jüngster Sieger eines WM-Lauf in die Rallyegeschichte ein. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er aber erst fünf Jahre später mit der Einführung des Lancia Delta S4. Henri triumphierte beim Debüt des Allradlers bei der RAC Rallye 1985 sowie bei der Monte 1986. Vier Monate später waren Henri und Beifahrer Sergio Cresto jedoch in einen der tragischsten Unfälle der WM-Geschichte verwickelt, als sie bei der Tour de Corse von der Straße abkamen und ihr Lancia komplett ausbrannte. Beide hatten keine Chance zu überleben.

Harri Toivonen war in jenem Jahr zum Werksfahrer von Austin Rover aufgestiegen und zeigte im MG Metro 6R4 gute Leistungen. Der große Durchbruch blieb dem vier Jahre jüngeren Bruder jedoch verwehrt. Nach schwierigen Jahren im Rallyesport fand Harri mehr Glück auf der Rundstrecke. Er gewann die finnische Tourenwagen-Meisterschaft und etablierte sich in der Sportwagen-WM. Heute ist Harri Toivonen ein gern gesehener Gast bei historischen Rallyes.


Vorschau: Tag 2 von Freiburg nach Aix-les-Bains
Drei verschiedene Länder stehen am zweiten Tag der 20. AvD-Histo-Monte auf dem Programm. Von Freiburg aus führt die Route schnurstracks nach Süden und über eine sonst für Fahrzeuge gesperrte Rheinbrücke in die Schweiz. Es folgt eine schöne DK im Zentrum von Rheinfelden, ein Amphitheater am Wegesrand sowie die Fahrt durch den Jura, wo die Rallye im Vorjahr fast im Schnee erstickte. Das Etappenziel in Aix-les-Bains bildet dann das Tor zu den französischen Alpen. 


Fotos: Torsten Spiess/Agentur Autosport.at

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