Die Schneerosen Rallye eröffnet die Rallyesaison 2016 - Foto: Martin Butschell/Agentur Autosport.atDie Rallyesaison 2016 wird am 4. März mit der Schneerosen-Rallye eröffnet - 66 Teams bilden ein interessantes, bunt gemischtes Starterfeld - vom internationalen Topstar Roman Odlozilik bis hin zum 68-jährigen Rallyeheimkehrer (nach 40 Jahren!), Peter Schöller.

Österreichs Favoriten Martin Fischerlehner und S2000-Pilot Gerald Rigler haben den Speed und die nötige Waghalsigkeit – nur so könnten sie den überlegenen R5 bezwingen.

Als „Support-Band“ spielen die „Historischen“ einmal mehr das Lied von den goldenen Rallyezeiten. Wenn „Granaten“ wie Kurt Göttlicher oder Andreas Fojtik dann aus den charismatischen Autos steigen, rennt der Schmäh ohne jede Gnade…

Die aus vielerlei Gründen mit Spannung erwartete Rallyesaison 2016 wird bald schon eröffnet: Am 4. und 5. März steigt im Raum Pfaffenschlag und Raabs an der Thaya die aus den späten Siebzigerjahren bekannte Schneerosen-Rallye. Sie bildet den Auftakt zur Austrian Rallye Challenge (ARC, ART, JART), , zur Niederösterreich Rallye Trophy und zum heuer erstmals auch ARC-Läufe beinhaltenden Österreichischen Rallye Cup (ORC), zum Historic Rallye Cup (HRC).

Die zweithöchste Liga des heimischen Rallyesports startet mit jenem Elan ins neue Jahr, mit dem sie im Vorjahr beim kurzfristig anberaumten ARC-Finale in Dobersberg für glühende Begeisterung sorgen konnte. Die als Veranstalter fungierende Austrian Rallye Challenge Assocciation und ihr fleißig werkender Mastermind Folkrad Payrich begrüßen nun auch beim bevorstehenden Saisonauftakt wie schon im Vorjahr erfreuliche 66 Rallyeteams. Diese 66 versprechen ein bunt gemischtes und mit interessanten Details gespicktes Feld, sodass in der naheliegenden Zukunft mit einem sich in Richtung Norden bewegenden „Fan-Strom“ zu rechnen ist. Die Schneerosen Rallye eröffnet die Rallyesaison 2016<br>Foto: Martin Butschell/Agentur Autosport.atDie Schneerosen Rallye eröffnet die Rallyesaison 2016
Foto: Martin Butschell/Agentur Autosport.at


Die schönen Alten heizen ein
Angezogen wird dieser wohl auch vom zuschauerfreundlichen Format der Austrian Rallye Challenge, in dem „die Historischen“ auf den Sonderprüfungen quasi geschlossen „die Show eröffnen“. Bei der Schneerosen-Rallye 2016 sind exakt zehn Teams des HRC am Start. Mit Patrick Dunkl und Norbert Tomaschek werden zwei mehr oder weniger altbekannte Histo-Ikonen die Prüfungen eröffnen – dass beide einem Volvo 740-„Schlachtschiff“ kräftig die Sporen geben werden, ist zumindest bei Tomaschek eine kleine Überraschung, selbst wenn er der regierende Volvo Stock Cup-Champion ist.

Mit Startnummer H3 erwärmt das Wiener Original Andreas Fojtik mit seinem Saab 96 V4 die Rallyeherzen entlang der Prüfung, dabei schlug sein eigenes eigentlich für die Rundstrecke, Fojtik nickt: „Ich habe erst in den Neunzigerjahren eine Rallye ausprobiert – da bin ich dann picken blieben.“

Ganz ähnlich dürfte es dem beruflich mit Babynahrung beschäftigten Albert Bellschan von Mildenburg in Bezug auf den Rallyesport ergangen sein, der Tiroler zündet wieder seinen Porsche 911.

Ziemlich treu ist auch Georg Gschwandner geblieben, der nun schon über ein Jahrzehnt lang dem „Schwedenblech“ erlegen ist und anlässlich des Jubiläums einen neuen „Elch-Cup“ aus dem Stahl-Hut zaubert, für den er liebevoll selbst die Pokale einkauft – bei der Schneerosen-Rallye wird er seinen „Turbo-Elch“ um die „Ecken“ fliegen lassen, alle fünf auf der Schneerosen-Nennliste genannten „Elche“ nehmen am neuen Cup teil. Günther Königseder und sein Lancia Delta Integrale sind auch heuer wieder am Start.

Den Abschluss oder vielmehr das Highlight der Historischen bildet Kurt Göttlicher mit seinem nue aufgebauten Ford Sierra Cosworth 4WD. Der Mann, der es beinahe geschafft hätte, mit einem Histo-Boliden die Gesamt-ARC zu gewinnen und im Vorjahr immerhin ARC-Dritter wurde, ist stets für heiße Action auf und neben der Strecke gut. Schafft er es ins Regrouping, ist er ein Garant für witzige bis schwer verstörend-witzige Kommentare.

Mit offener Rechnung…
Das Feld der modernen Rallyeboliden eröffnet Martin Fischerlehner standesgemäß mit der Startnummer 1 auf einem Mitsubishi Carisma GT, der in Wahrheit ein Evo V ist. Beim spannenden ARC-Finale 2015 konnte Fischerlehner in diesem Auto mit Bestzeit aufhorchen lassen, flog später jedoch von der Strecke. Zur Saisonmitte wird Fischerlehner in einen Skoda Fabia S2000 umsteigen denn in der ARC hat er Großes vor...

Eine offene Rechnung möchte auch der internationale Topstar der Schneerosen-Rallye, der Tscheche Roman Odlozilik begleichen, denn der Ford Fiesta R5-Pilot musste im Vorjahr nach aussichtsreichen Fahrten aus technischen Gründen aufgeben.

Gerald Rigler hat vor exakt einem Jahr, bei der Schneerosen-Rallye des Vorjahres zum ersten Mal seinen knallgelborangenen Peugeot 207 S2000 gezündet und konnte damit immerhin Platz sechs belegen. Der gewichtige Quereinsteiger, der 2012 bei der Vorgängerveranstaltung der Schneerosen-Rallye überhaupt erst seine allererste Rallye fuhr und davor sich im „Knochenbrechersport“ namens Motocross austoben durfte, konnte im Vorjahr bei der brandneuen Braustadt-Burg Rallye Zwettl seinen ersten Sieg in der ARC feiern, in Dobersberg wiederum verpasste er als Vierter knapp das Podium. Rigler gehört also zu den Topfavoriten der Schneerosen-Rallye 2016 - ob er jedoch um den Sieg kämpfen kann, werden wohl Tagesform und Technik entscheiden.

Roman Mühlberger und Reinhold Neulinger steuern beide jeweils einen Mitsubishi Lancer Evo VI und gehören quasi schon zum Inventar der Austrian Rallye Challenge, beide sind als starke Piloten einzuschätzen.

Sportsmann aus Ungarn
Der Ungar mit dem wenig ungarischen Namen Daniel Fischer ist ein Sportsmann wie er im Buche steht und somit eine besondere Bereicherung für die Austrian Rallye Challenge. Beim Finale in Dobersberg wäre er im Vorjahr ARC-Champion geworden, hätte es nicht eine Irritation auf einer Prüfung gegeben und wäre er in der Folge nicht auf falschem Gebiet unterwegs gewesen, auch wenn es nur für ein paar Sekunden war.

Fischer musste ausgeschlossen werden. Der 31-Jährige Subaru Impreza CG8-Pilot reagierte unaufgeregt, einsichtig und höflich. Wer seine Statistik kennt, wird wissen, dass es der größte Erfolg seines Lebens gewesen wäre. Einen besonders starken Applaus auf den Prüfungen hätte sich der Mann mit er Startnummer 7 bei seinem Comeback in der Challenge auf alle Fälle verdient…

Mit 67 fängt die Rallye wieder an
An dieser Stelle kann eigentlich nur einer kommen: Peter Schöller! Ihn als Rallyefan nicht zu kennen, ist keine Schande. Seine letzte Rallye fuhr der Deutsche vor 40 Jahren, es war die Rallye München-Wien-Budapest, die er in einem Opel Ascona absolvierte. Danach wurde er mehrfacher Rundstreckenchampion, zog sich zurück, um dann Jahrzehnte später, vor zwei Jahren beim 24 Stunden Rennen in Dubai im Team von Gottfried Kogler ein Comeback zu wagen, im Alter von damals medial dankbaren 66 Jahren.

Aber auch oder gerade mit 67 ist das nunmehr „im Zeichen der Schneerose“ fixierte Rallye-Comeback einen Sonderapplaus wert. Schöller selbst kichert amüsiert-fröhlich in den Hörer, verrät, dass er „wie immer blauäugig“ an die Sache herangehen werde und dass ihn die Umstellung auf den Mitsubishi Evo VIII nicht beunruhigt: „Ich fahre mit allem, was schwarze Räder hat.“ Schöller fährt mit der Startnummer 11, denn von seinem Meisterspeed hat er, so scheint es, so gut wie nichts verloren.

R3T-Match mit Unbekannten
Auch auf dem zweiradangetriebenen Sektor bietet die Nennliste der Schneerosen-Rallye interessante Vergleichsmöglichkeiten an. Michael Kogler, seines Zeichens übrigens Teamkollege von Peter Schöller, wird den vom Unior Racing Team Austria eingesetzten Citroen DS3 R3T pilotieren. Nach den katastrophal empfundenen Konditionen in Dubai haben Fahrer und Team kurzfristig den Rückzug aus der 24h Serie beschlossen – so startet Kogler junior seine dritte Phase als Rennfahrer: „Es ist die völlige Rückkehr von der sauberen Rundstrecke auf die wilden Rallyepisten.“ Aus dem Mischprogramm wurde ein reines und dennoch über die Grenzen hinausblickendes Rallyeprogramm mit Läufen zum Mitropa- und zum Alpe Adria Cup.

Messen möchte er sich bei der Schneerosen-Rallye mit dem Tschechen Patrik Rujbr, der einen wie Kogler auch einen R3T, allerdings einen Renault Clio R3T fährt: „Ihn habe ich im Internet studiert, wir scheinen als Fahrer ähnliche Schritte gesetzt zu haben, seinen Nachnamen kann ich nicht aussprechen, persönlich habe ich ihn noch nie getroffen, spannend. Es sind noch zwei Peugeot 208 R2 am Start, was vom Auto her interessant werden könnte, da jedoch habe ich keine Fahrerinfos. “ Einen weiteren Citroen DS3 R3T lenkt der mit österreichischer Lizenz fahrende Petr Pospisil.

Super, 1600
Interessant, auch auf technischer Ebene, wird der direkte Vergleich der R3-Boliden mit den älteren Suzuki Swift S1600. Gerne darf darüber gestritten werden, welcher von beiden im Vorteil sei. Für Christopher Zellhofer, als Sohn vom früheren Staatsmeister und nunmehrigen Neubauer-Betreuer Max Zellhofer, geht es um seine persönliche Lernkurve, Motto: Der frühe Rundstreckenchampion tastet sich in freier Wildbahn ans Limit heran.

Wolfgang Rehberger Vera Hinteramskogler Suzuki Swift S1600<br>Foto: Auto AktuellWolfgang Rehberger Vera Hinteramskogler Suzuki Swift S1600
Foto: Auto Aktuell
Direkten Vergleich kann er, wenn er will, mit Wolfgang Rehberger suchen. Rehberger pilotiert ebenfalls einen Zellhofer Suzuki Swift S1600 und gehört zur leider seltenen Art jener erfolgreichen Geschäftsleute, die ihren Reichtum nicht in Nobelrestaurants „vergockeln“ („Mein Kamm!“) wollen oder gar müssen, sondern stattdessen das Geld lieber in Reifengummi verwandeln, weil ihnen die Zeit, in der sie sich an ihrem eigenen Limit bewegen, niemand mehr wegnehmen kann. Selbst dann nicht, wenn einmal Reifenbrösel mehr wert sein sollten als der Euro. Wolfgang Rehberger hat mit Michael Böhm den für diesen Wagen wohl bestmöglichen Lehrer und weist eine entsprechende Lernkurve auf…

Where are the Champions?
Mit der Startnummer 33 geht der amtierende Vizemeister der Austrian Rallye Challenge ans Werk, Markus Kroneder pilotiert heuer einen Renault Clio Sport 2.0 16V. Weiter unten könnte man anhand der Nennliste den Eindruck erhalten, die in Österreich neu gestaltete Klasse und Serie M1-Rallye-Masters sei bereits wie ein Virus ausgebrochen – so bunt liest sich die Spalte mit dem Titel „Fahrzeug“…

Der regierende ARC-Gesamtchampion, jener Julian Wagner, der im gleichen Jahr seines Titelgewinns als absoluter Rallyerookie quer einstieg, ist beim ARC-Auftakt nicht am Start. Das allerdings hat positive Gründe. Auch der gelb-weiße Subaru von Austrian Rallye Trophy-Champion und Niederösterreich Rallye Trophy-Gewinner Christian Schuberth-Mrlik wird im Servicepark der Schneerosen-Rallye fehlen. Dass er gerade ein World Rally Car aufbaut, darf an dieser Stelle schmunzelnd dementiert werden…

Sprungbrett für Junioren
Satte elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind 2016 in der Junioren ARC eingeschrieben, dazu kommen weitere zahlreiche Neueinsteiger, die in der Austrian Rallye Challenge in aller Regelmäßigkeit ihre ersten „Gehversuche“ unternehmen. ARC-Mastermind Folkrad Payrich sagt: „Das ist mir wichtig – dass junge Fahrer nachkommen.“ Vielleicht auch deshalb, weil nur junge Fahrer wirklich neue junge Fans an Bord holen? Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der am kommenden Wochenbeginn zur Verfügung stehenden zweiten Presseaussendung der Schneerosen-Rallye.

Fotos: Auto Aktuell, Martin Butschell/Agentur Autosport.at

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